1. „Das Cannabisgesetz ist gescheitert…
…und muss rückgängig gemacht werden“: Das Cannabisgesetz (CanG) ist erst ein Jahr in Kraft, wurde zudem noch nicht vollumfänglich umgesetzt. Eine fundierte Evaluation des Gesetzes ist erst für Herbst 2025 geplant. Außerdem erschwerend: Häufig werden wissenschaftliche Cannabis-Forschungsprojekte mit einer bundesweiten kommerziellen Abgabe von Cannabis verwechselt. Letzteres (die sogenannte Säule II) wurde jedoch nie gesetzlich umgesetzt. Stattdessen ermöglicht die Konsumcannabis-Wissenschafts-Zuständigkeitsverordnung (KCanWV) den rein wissenschaftlichen Umgang mit Konsumcannabis zu Forschungszwecken – mit dem Ziel, belastbare Daten für künftige drogenpolitische Entscheidungen zu liefern.

2. „Cannabis aus Fachgeschäften ist eine Einstiegsdroge, besonders für Jugendliche“ 

Wissenschaftliche Studien haben den „Einstiegsdrogen“-Mythos hinreichend widerlegt. Vielmehr geht man davon aus, dass die Kriminalisierung von Cannabis und damit einhergehende Kontakte in den Schwarzmarkt häufig der eigentliche Übergang zu härteren Drogen sind. Was viele außerdem vergessen: Eine Teilnahme an den geplanten Pilotprojekten ist für Jugendliche ausgeschlossen! Ein Nachweis der Volljährigkeit ist für die Studienteilnahme Voraussetzung.

3. „Legale Cannabis-Fachgeschäfte werden zu mehr Konsum führen.“ 
Studien zu Ländern, in denen Konsumcannabis bereits seit mehreren Jahren legalisiert ist, konnten diese Annahme nicht eindeutig bestätigen. Auch hierzulande soll der bereits bestehende Konsum nicht ausgeweitet, sondern durch qualitätskontrollierte Alternativen zu oftmals verunreinigten Schwarzmarktprodukten weniger gesundheitsschädlich gemacht werden. Erste Ergebnisse eines vergleichbaren Pilotprojekts in der Schweiz deuten darauf hin, dass Studienteilnehmende durch einen legalen Verkauf eher auf den Bezug vom Schwarzmarkt verzichten. Viele reduzieren ihren Konsum sogar – oder wechseln zu weniger gesundheitsschädlichen Konsumformen als Rauchen. 


4. „In Fachgeschäften Cannabis kaufen? Bestimmt so einfach wie im Supermarkt.“
 
Die Pilotprojekte sind streng reguliert und nicht ohne weiteres für die Allgemeinheit zugänglich. Wer Konsumcannabis in einem Fachgeschäft erwerben möchte, muss sich persönlich vor Ort als Studienteilnehmer:in registrieren lassen. Dies setzt die Erfüllung bestimmter Voraussetzungen voraus, darunter zum Beispiel Volljährigkeit und Ausschluss bestimmter schwerer Erkrankungen. Jeder Kauf wird zur wissenschaftlichen Datenerhebung pseudonymisiert dokumentiert – Einkäufe von nicht registrierten Personen sind damit absolut ausgeschlossen. 


5. „Fachgeschäfte werden Cannabistourismus auslösen.“
 
Deutschland = Niederlande 2.0? Das ist ein Mythos! Die Teilnahme an einer Studie und damit der Einkauf in einem Fachgeschäft sind nur möglich, wenn der Hauptwohnsitz in der jeweiligen Stadt liegt. Das ist bei der Registrierung entsprechend nachzuweisen. So wird sichergestellt, dass keine „Cannabis-Touristen“ aus anderen Regionen oder dem Ausland anreisen, um in den Geschäften einzukaufen.


6. „Man kann in den Fachgeschäften unbegrenzt Cannabis kaufen.“
 
Nein, die Abgabemengen sind klar begrenzt. Orientiert an den Vorgaben des CanG darf pro Studienteilnehmer:in nur eine bestimmte Menge Cannabis pro Monat erworben werden. Für junge Erwachsene zwischen 18 und 21 Jahren gelten noch strengere Limits. Um Missbrauch zu verhindern, werden diese Kontingente mithilfe eines personalisierten Teilnehmerausweises kontrolliert – das bedeutet: Bei jedem Einkauf im Geschäft werden die bisherigen Verkäufe überprüft. Ist das monatliche Limit erreicht, kann während des verbleibenden Monats kein THC-haltiges Produkt mehr gekauft werden. 


7. „Industriefinanzierte Forschung ist nicht objektiv.“
 
Geldgeber sind nicht gleich Einflussnehmer: Forschung folgt wissenschaftlichen Standards, nicht wirtschaftlichen Unternehmensinteressen. Industriefinanzierung ist gängige Praxis und bei den geplanten Cannabis-Pilotprojekten auch explizit erlaubt (siehe BMEL). Die wissenschaftliche Leitung der Pilotprojekte agiert komplett unabhängig von den finanzierenden Unternehmen, was mittels Ethikvotum geprüft wird. Sie bestimmt die Forschungsdesigns, analysiert die erhobenen Daten und kommuniziert die Ergebnisse beispielsweise in Form einer Publikation in peer-reviewten Fachjournalen. Zusätzlich werden alle Projekte in öffentlichen Registern dokumentiert. 

Adele Hollmann
Senior Scientific Affairs Manager bei der Sanity Group

“Cannabis muss aus der Schmuddelecke raus” 

Die Liebe zu Cannabis hat Adele auf wissenschaftlichem Wege entdeckt: Im Rahmen ihres Studiums der Agrar- und Gartenbauwissenschaften an der Humboldt Universität hat sie sich intensiv mit der Pflanze und ihrem vielseitig einsetzbaren Potential beschäftigt. Die Arbeit an ihrem Doktortitel hat Adele zwar begonnen, wollte jedoch schnellstmöglich in die Cannabis-Branche eintauchen: Erst ein paar Praktika in den Semesterferien, dann Vollzeit bei der Sanity Group als Business Development and Education Managerin. (Ein Doktortitel lässt sich schließlich jederzeit nachholen.) 

Gemeinsam mit ihrer Kollegin Aline Gralke hat sie die Marke “Grashaus Projects”, den ersten schweizerischen Pilotversuch für Genuss-Cannabis, in die Wege geleitet. 

Adele ist es wichtig, ihr Wissen mit anderen Menschen zu teilen. Kurz vor der Legalisierung in Deutschland will sie dazu beitragen, die weit verbreitete Unsicherheit sowie das vorherrschende Unwissen über Cannabis durch eine umfangreiche, studienbasierte Aufklärung aus dem Weg zu räumen . Welche Tipps sie darüber hinaus für ein großes (Frauen-)Netzwerk in der Cannabis-Branche hat, und warum sie sich manchmal wie eine moderne Hexe fühlt, erzählt Adele im Interview. 

Sanity Group: Welche Erfahrungen hast du bisher als Frau in der Cannabis-Branche gemacht?

Adele: Bisher hatte ich vor allem positive Erfahrungen, ich konnte am Anfang meiner Karriere auch leicht Fuß fassen. Allerdings merke ich langsam: Je weiter ich komme, desto mehr muss ich kämpfen. Das macht mir aber auch Spaß, denn in dieser Branche ist der Umgang freundlich. Schließlich geht es um die Passion, und alle wollen dasselbe Ziel erreichen. Sich gegenseitig zu unterstützen und zu pushen bedeutet auch, sich mit anderen Personen zu connecten. Ich bin gerne Teil von Frauennetzwerken wie bspw. CannaFem oder SheRise. Hier finden sich tolle Frauen aus verschiedenen Cannabis-Firmen zusammen, die sich untereinander austauschen und gegenseitig unterstützen. 

Du hast bereits ein großes Netzwerk in der Cannabis-Branche. Wie hast du das geschafft? 

Ehrlich gesagt, interessiere ich mich einfach für Cannabis und die Menschen, die in diesem Bereich arbeiten und was sie zu erzählen haben. Allgemein herrscht in der Cannabis-Branche ein freundschaftlicher Vibe, wodurch man auch gern Zeit mit den Menschen verbringt und sich auf natürlichem Wege austauscht. Darüber hinaus gibt es ein paar Tricks, die mir geholfen haben: Ich habe ziemlich früh meinen Instagram Account green.adeleholly erstellt. Dort teile ich, wer ich bin und was ich mache. So habe ich auch bereits andere Menschen gefunden, die in der Cannabis-Branche tätig sind. Auch auf LinkedIn bin ich sehr aktiv. Es ist einfacher zu netzwerken, wenn man sich bereits online kennt und sich dann auf Messen trifft. Also würde ich jedem oder jeder ans Herz legen: Wenn ihr in diesem Bereich aktiv werden wollt, zeigt einfach, was ihr könnt, für was ihr steht und was ihr erreichen wollt.

Vielen Dank für die Tipps! Glaubst du eigentlich, dass eine besondere Verbindung zwischen Cannabis und Frauen besteht? Wenn ja, welche? 

Erst einmal: Die Pflanze, die wir zum Konsum nutzen, ist weiblich. (lacht) Außerdem gibt es viele Anwendungsbereiche, die speziell für Frauen zutreffen, in denen Cannabis genutzt werden kann, wie z. B. bei Menstruationsschmerzen oder bei PMS. Hinzu kommt, dass Cannabis aus meiner Sicht eine weibliche Wirkung hat, wenn es die richtigen Sorten sind. Die floralen Sorten lösen sehr weibliche Energien aus, sprich man wird harmonisch, liebend und vielleicht auch spirituell.

Apropos spirituell: Du hast einmal erwähnt, du würdest dich wie eine moderne Hexe fühlen. Was meinst du damit?

Im Rahmen meines Studiums bin ich Pflanzen und Pilzen sehr nahe gekommen und sie haben mich sofort gecatcht. Insbesondere die, die eine  psychoaktive Wirkung haben. Das betrifft unter anderem Cannabis, psilocybinhaltige Pilze und Ayahuasca – eben alles, was in der Natur vorkommt und verboten ist, aktuell aber wiederentdeckt wird und für bestimmte medizinische Zwecke eingesetzt werden könnte. 

Die Forschung steht noch am Anfang, es kommt aber langsam ins Rollen – vor allem in Deutschland. Ich möchte meinen professionellen Fokus auf die Wiederentdeckung von Substanzen legen, die in der Natur vorkommen und einen positiven Effekt auf uns Menschen ausüben können. Früher haben Hexen anderen Menschen mit natürlichen Substanzen geholfen, obwohl sie in der Gesellschaft nicht akzeptiert wurden. Für mich ist das eine Analogie zur modernen Hexe, denn ich möchte die Substanzen, die wir in der Natur finden können, wiederentdecken und damit einen neuen Umgang lernen. Und ich denke, das ist möglich. 

Durch dein Studium sowie eine Schulung zur Cannabis-Sommeliére hast du dich als Cannabis-Expertin etabliert. Inwiefern kannst du anderen Menschen mit deinem Wissen helfen?

Ich habe beispielsweise das Fachpersonal in der Schweiz für die erste legale Verkaufsstelle Europas geschult, indem ich mein Wissen über Wirkung, Nebenwirkungen und die Produkte weitergegeben habe. Das Fachpersonal soll somit den Kunden und Kundinnen beratend zur Seite stehen. 

Prinzipiell ist es einfach wichtig, dass wir in der aktuellen Umbruchphase gut über das Thema aufklären. Cannabis muss aus der “Schmuddelecke” raus, vor allem weil so viel Unsicherheit und Unwissen herrscht. Es gibt viele gute Studien, die wir verstehen und letztendlich auf verständliche Weise mit anderen Menschen teilen müssen. 

Außerdem sollten wir informierte Konsumentscheidungen treffen, unsere eigene Konsumkompetenz fördern und die von anderen, wenn sie diesbezüglich Hilfe benötigen. Wir sollten immer professionell und “educated” an die Sache rangehen. Vor allem in Hinblick auf die Legalisierung sollten wir mit Politiker:innen reden können. Aktivismus ist richtig und gut, wir müssen aber auch die Sprache der Politiker:innen kennen, um wirklich mit ihnen kommunizieren zu können. Nur so können wir letztendlich eine Veränderung bewirken. 

Dr. Viola Brugnatelli
Co-Founder von Cannabiscienza und Cannabiscientia SA

“Die harmonische Einführung von Cannabis im Gesundheitswesen unterstützen” 

Viola ist wissenschaftliche Autorin und Herausgeberin, Forscherin und Dozentin, (Co-)Gründerin und italienische Botschafterin der International Association for Cannabinoid Medicine (IACM): Diese Frau brennt für Cannabis!  

Ähnlich wie bei Adele gilt Violas Interesse hauptsächlich der Interaktion zwischen natürlichen Produkten (Pflanzen, Gewürzen, Lebensmitteln und endogenen Molekülen) und dem Nervensystem. Ihr Studium der Neurowissenschaften hat Viola mit einer Diplomarbeit über die Pharmakologie von “Orphan-Rezeptoren” abgeschlossen, die an der Schmerzwahrnehmung beteiligt sind. Darüber hinaus erforschte sie die entzündungshemmende Wirkung von CBD und Cannabis-Terpenen. Als enthusiastische Aktivistin setzt sie sich für das Recht auf eine Cannabis-Behandlung ein und treibt die wissenschaftliche Kommunikation mit der Öffentlichkeit an: Sie nimmt an zahlreichen Messen teil, schreibt für Fachzeitschriften und steht für Interviews zur Verfügung. Darüber hinaus sagt sie: “Ich setze mich für Patientenrechte, Ökologie und Gleichberechtigung ein und habe 2018 eine Non-Profit-Organisation [“LERN Herstory”] mitgegründet, die sich für die Gleichberechtigung von Frauen im europäischen Cannabisbereich einsetzt.” 

Außerdem ist sie Mitbegründerin von Cannabiscienza, einer Online-Fortbildungsplattform für Ärzte und Ärztinnen sowie Apotheker:innen. 2022 gründete sie mit ihrem Kollegen Andrea Cristofoletto das nächste Unternehmen namens Cannabiscientia SA, das sich als das führende wissenschaftlichen Zentrum für Cannabinoid-Therapien etablieren möchte, das Forschung, medizinisches Fachpersonal und Patienten und Patientinnen miteinander verbindet. Bleibt da überhaupt noch Zeit für Privates? Ja, ein wenig zumindest: Viola startet ihre Tage gerne mit Yoga und Meditation, mit guter Musik lässt sie sie ausklingen. https://cannabiscientia.com/ https://www.instagram.com/violabrugnatelli 

Mila Jansen
Die Hash-Queen

“Haschisch als lebenslanger Begleiter”  

Wer sich mit der Geschichte von Cannabis – oder um genauer zu sein mit der Geschichte von Haschisch – in Europa näher beschäftigt, kommt an dieser Ikone nicht vorbei: Mila Jansen, auch bekannt als die Hash-Queen. Aber wie kam die heute 79-jährige Titelträgerin zu dieser Ehre? 

Ihren ersten Joint rauchte Mila 1964. Sie erzählte vor einigen Jahren: “Damals gab es in Amsterdam kein Gras, also war es ein Haschisch-Joint, und den rauche ich nun schon seit über 50 Jahren.” Mittlerweile steht auch schon fast ihr 60-jähriges Joint-Jubiläum an. 

Milas jahrzehntelange Erfahrung hat ihr geholfen, die Haschischproduktion in den 90er-Jahren zu revolutionieren. Dank ihr gibt es den Pollinator®, eine Haschisch-Trommel, sowie die Ice-O-Later®-Technologie, die eine chemiefreie Abtrennung und Sammlung der Trichome einer Blüte ermöglicht. Beide Erfindungen kommen bis heute zum Einsatz. 

Wer noch mehr über sie erfahren möchte, kann sich in Milas (englischer) Biographie “How I Became The Hash Queen” auf über 500 Seiten verlieren. Das Buch ermöglicht Einblicke in das Leben einer Pionierin, die sich schon immer in einer männlich dominierten Branche durchzusetzen wusste: Mit 21 Jahren eröffnete sie die Boutique Kink 22 in Amsterdam, die ein paar Jahre später zu einem Teehaus wurde, in dem Haschisch geteilt (aber nicht verkauft) wurde. Danach lebte Mila 14 Jahre in Indien mit ihren vier Kindern, die sie mit auf Wanderungen durch den Himalaya oder an die Strände von Goa nahm. Sie gründete mit Inderinnen eine Stickerei und verkaufte Perlen- und Paillettenkleider nach New York. Schließlich landete sie wieder in Amsterdam, wo sie bis heute lebt.  https://www.instagram.com/milahashqueen/ 

Dr. Uma Dhanabalan
CEO & Gründerin von Uplifting Health & Wellness 

“Cannabis sollte eine Option der ersten Wahl sein, nicht der letzte Ausweg.”

Mit mehr als 40 Jahren Erfahrung hat sich Dr. Uma Dhanabalan auf dem Gebiet der “Pflanzenmedizin” längst etabliert, denn natürliche, ganzheitliche, ayurvedische und alternative Behandlungen sind ihr Spezialgebiet. Sie ist eine hoch angesehene Ärztin mit einer Ausbildung in Arbeits- und Umweltmedizin, außerdem Gründerin der Global Health & Hygiene Solutions LLC mit einer Praxis namens Uplifting Health & Wellness in Natick (Massachusetts) und Expertin für medizinisches Cannabis an der Massachusetts Medical Society (Medizinerverband). 

Als Ärztin setzt sie sich speziell für Cannabis als “Ausstiegsdroge” sowie als Alternative zu Opiaten zur Behandlung von Schmerzen und Entzündungen ein, die häufig mit Sportverletzungen einhergehen. Dr. Uma Dhanabalan bietet weltweit Cannabis-Beratungen an und nimmt jedes Jahr an diversen medizinischen Konferenzen teil, um als Cannabis-Aktivistin, Autorin und Expertin aufzutreten. 2018 tourte sie beispielsweise durch die USA und moderierte die Podiumsdiskussion “Doc & Jocks”, in der sie mit NFL-Profisportlern über den Einsatz von Cannabis gesprochen hat. 2023 wurde sie auf der HamCan in Hamburg mit dem “Lifetime Achievement Award” ausgezeichnet, der ihr von Adele übergeben wurde. 

Dr. Uma Dhanabalan trägt also weltweit einen immensen Beitrag zur medizinischen Aufklärung von Cannabis als Medizin und dessen Einsatzgebiete bei – mit der Hoffnung, dass Cannabis künftig nicht mehr als letzter Ausweg für Patienten und Patientinnen infrage kommt, sondern als Option der ersten Wahl. 

(The) Dank Duchess
Haschisch-Expertin 

“Der “All Weed Everything”-Lebensstil” 

Die Mission: Das Bewusstsein für Cannabis und psychedelische Wellness weltweit verbreiten. Wie? In den Printmedien, Videos und Sozialen Medien über hochwertiges Cannabis und Haschisch sprechen. Das ist der Plan der Dank Duchess, um weltweit zur Cannabis-Aufklärung beizutragen. 

Für die Dank Duchess ist Cannabis ein essentieller Teil ihrer Existenz und mit ihrer Hingabe zu einem “All Weed Everything”-Lebensstil hat sie einen Weg gefunden, es vollständig in ihr Leben zu integrieren. Vom Pflanzenanbau bis zu kulinarischen Kreationen, von der Meditation bis zum Training – sie lässt Cannabis in jeden Aspekt ihres Lebens einfließen. “Cannabis ist zum Genießen und zur Erleuchtung da”, sagt die US-Amerikanerin. “Es ist ein Hilfsmittel, und wenn es als solches verwendet wird, ermöglicht es ein tieferes Lernen und ein erweitertes Bewusstsein für uns selbst und die Welt um uns herum.” Im Rahmen ihres Studiums an der Howard University erwarb sie zuerst einen Bachelor of Science in Psychologie, danach machte sie einen Master in Landschaftsarchitektur. Durch ihre jahrelange Erfahrung im Anbau und in der Herstellung von Haschisch kann sie kleinen Farmen und großen Anbaubetrieben als Haschisch-Beraterin zur Seite stehen, indem sie ihnen die Herstellung beibringt und Tipps zur Effizienz-Steigerung gibt. 

Ihr Steckenpferd sind sogenannte “templeballs” – glänzende, sehr hübsche Haschischkugeln. Wie sie diese zubereitet, lehrt sie in Haschisch-Kursen. Für die, die nicht an einem solchen Kurs teilnehmen können, könnten auch die Videos der Dank Duchess auf Youtube interessant sein.

Ihr (Lebens-)Motto dürfte übrigens nicht überraschen: “Cannabisblüten treiben meine Kraft an und Haschisch ist meine Nische”, sagt sie. https://www.instagram.com/thedankduchess/ https://www.youtube.com/@TheDankDuchess http://thedankduchess.com/ 

Dies war Teil 3 unserer dreiteiligen Serie über die 15 einflussreichsten Frauen im Cannabis-Business. Schaut euch auch gerne Teil 1 und Teil 2 unserer Reihe an und erfahrt noch mehr über zehn weitere einflussreiche Frauen im Cannabiz

Aline Gralke
Brand Owner Grashaus Projects

Innerhalb von nur drei Jahren hat sich Aline als feste Größe in der Cannabis-Branche etabliert. Neben ihrer Rolle als Brand Owner hat sie die einzelnen Marken der Sanity Group mitgestaltet und sich auch um den Bereich New Business gekümmert. Zuletzt war sie maßgeblich am Aufbau der ersten wirklich legalen Abgabestelle Europas im schweizerischen Allschwil im Kanton Basel beteiligt. Hier ist die Sanity Group als einziges deutsches Unternehmen an den ersten schweizerischen Modellversuchen für Genuss-Cannabis beteiligt.

Aline ist eine Person, die als Frau “gelesen” wird und entsprechend auch die negativen Erfahrungen anderer Frauen im Cannabis-Business teilen kann. Sie glaubt allerdings, dass dies nicht auf die Cannabis-Branche allein beschränkt ist, sondern für viele weitere von Männern dominierte Branchen gilt, wo nicht nur Frauen, sondern auch nicht-binäre Personen und People of Color weiterhin marginalisiert werden und einigen Hindernissen begegnen, die “hetero-normative” Männer so nicht haben. Was Aline also innerhalb der Cannabis-Industrie wahrgenommen hat, deckt sich mit dem, was man auch von anderen Industrien kennt: Messen sind oft sehr gut besucht, Frauen sieht man wenige. Und nicht nur dort: “Als ich auf der letzten Spannabis-Messe in Barcelona war, dachte ich teilweise, ich habe ein Klassentreffen einer Knabenschule gecrasht”, berichtet sie, “viele Paneldiskussionen auf Messen oder zum Beispiel auf Networking Events sind immer noch sehr stark mit Männer besetzt – obwohl mir viele Frauen einfallen, die auch dort sitzen könnten und vielleicht sogar ein bisschen kompetenter wären.”
Sie nimmt aber auch wahr, dass sich das in den letzten Jahren ein bisschen gebessert hat, dass sich Veranstalter:innen mehr Mühe geben, Panel-Diskussionen diverser zu gestalten. “Man sieht viel mehr unterschiedliche Gesichter, und ich glaube, das hat auch einen sehr positiven Einfluss auf die Industrie und die Community.”

Es mag für viele überraschend sein, dass es diese Ungleichheit und Marginalisierung überhaupt noch gibt, vor allem in einer Branche, von der man annehmen könnte, dass sie grundsätzlich eher liberal und progressiv ist und die Gleichberechtigung von Frauen kein Thema mehr sein sollte. Leider scheint das nicht der Fall zu sein. In den USA ist der Anteil von Frauen im Cannabusiness in den letzten Jahren sogar von 28 auf 21 % gefallen.

Warum gibt es deiner Meinung nach noch immer so wenige Frauen im Business?

“Man könnte ja argumentieren, dass Frauen im Schnitt auch weniger Cannabis konsumieren als Männer. Ich glaube aber nicht, dass das der Grund ist, denn der prozentuale Unterschied ist jetzt nicht so groß, wie man vielleicht erwarten würde. Ich glaube, dass es eher an ähnlichen Faktoren liegt wie in anderen männerdominierten Branchen auch. Als Frau hat man einfach bestimmte Hindernisse, die man erstmal überwinden muss, wo die männlichen Kollegen vielleicht schon eine Ziellinie weiter sind. Frauen müssen sich zum Beispiel mit Aspekten wie Gender Pay Gaps auseinandersetzen. Flexibilität am Arbeitsplatz und Remote Work sind für viele Frauen auch wichtiger als für Männer.”

Viele berufliche Chancen würden auch erst durch Networking entstehen, etwas, das manche Frauen eher meiden, um zum Beispiel unangenehme oder übergriffige Situationen zu vermeiden, so Aline. Es gebe immer noch diese “Gentlemen’s Club-Systeme” in vielen Industrien, wodurch eben Frauen zum Teil weniger Zugang zu bestimmten Berufsfeldern und Industrien haben als Männer, sagt sie.

“Natürlich ist es super unangenehm, wenn du als Industrieteilnehmerin an einer Messe teilnimmst und Sales-Vertreter anstelle von zielführenden Networking-Gesprächen erst mal mit dir flirten wollen. Das ist einfach eine sehr unangenehme Situation, der man gerne aus dem Weg geht. Was natürlich dazu beitragen kann, dass sich auch weniger Frauen aktiv an dieser Industrie beteiligen möchten.”

Gibt es deiner Ansicht nach Bereiche in der Cannabisindustrie, in denen Frauen besser agieren würden als Männer?

“Ich glaube, dass Geschlecht ein soziales Konstrukt ist. Es geht am Ende des Tages um die individuellen Fähigkeiten, die man mitbringt, zum Beispiel Empathie. Wie sehr ist man daran interessiert, die Zielgruppe auch wirklich tiefgründig kennenzulernen, ihre Bedürfnisse zu verstehen und auch zu erfüllen? Wie egozentriert arbeitet man? Ist immer alles ein Wettbewerb oder geht man vielleicht doch Kooperationen ein?” 

Was ist deine Prognose für die nächsten Jahre? Ist die geplante Legalisierung ein ermutigendes Zeichen? Oder hättest du mehr erwartet?

“Ich freue mich natürlich auf der einen Seite, dass in Deutschland etwas in Bewegung kommt. Wir haben schon sehr lange darauf gewartet und sehr lange dafür gekämpft. Ich glaube aber auch, dass Deutschland zum Teil aufgrund der EU-Gesetze die Hände gebunden sind. Aber was wir jetzt noch im Gesetzesentwurf sehen, vor allem in der ersten Säule mit den Anbauvereinigungen, das ist so restriktiv aufgesetzt, dass ich glaube, dass es sehr, sehr schwierig wird, so eine legalisierte Welt zu schaffen. Ich glaube, dass auch Konsument:innen deutlich mehr Dinge beachten müssen mit der Legalisierung als bisher. Bisher war es einfach nicht erlaubt, Cannabis zu besitzen. Das wusste man, damit konnte man umgehen. Mit den Legalisierungsplänen muss man nun so viel beachten. Ich glaube, dass wir es deutlich einfacher hätten haben können. Ich freue mich aber sehr auf die zweite Säule.” 

Warum sollten denn deiner Meinung nach mehr Frauen dem Business oder der Community beitreten und sich öffentlich zeigen?

Weil Studie nach Studie zeigt, dass dadurch bessere Entscheidungen in Organisationen  getroffen werden, wenn die Gruppe der Entscheidungsträger:innen eine diverse Gruppe von Menschen mit ganz, ganz unterschiedlichen Backgrounds ist. Und Frauen gehören da ganz klar dazu.

Lisa Haag
CEO und Gründerin von MJ_Universe

“Die weibliche Sichtweise in die Cannabis-Diskussion einbringen.”

Lisa Haag ist eine der führenden Stimmen in der deutschen Cannabis-Bewegung. Seit mehr als sechs Jahren ist sie eine der Frauen, die die Cannabisbranche maßgeblich mitgestalten. Seit 2017 ist sie aktives Mitglied im CannaFem-Netzwerk, im Juli 2018 gründete sie die MJ_UNIVERSE GmbH, dessen “Mission” sie so beschreibt: “Als Unternehmerin engagiere ich mich für Projekte, die Cannabis als Medizin voranbringen, für einen fortschrittlicheren und realistischeren Rechtsrahmen und für Aktivitäten, die Cannabis in den Mainstream bringen. Meine Mission ist es, das volle Potenzial von Hanf und Cannabis zu erschließen.”

Dafür arbeitet sie mit einem Netzwerk von spezialisierten Expert:innen zusammen, um unter anderem Unternehmen zu beraten, die sich im europäischen Cannabis-Ökosystem zurechtfinden wollen. Lisa ist außerdem Gründungsmitglied und Teil des Vorstands des deutschen Branchenverbands Cannabiswirtschaft (BvCW) e.V. 

Während in den USA bereits mehrere Frauengruppen in der Hanfszene existieren, war die Bewegung bisher in Deutschland eher männlich dominiert. Mit der Gründung des CannaFem Netzwerks in Deutschland änderte sich das. “Für Frauen bieten sich in der Cannabisbranche enorme Chancen zur Selbstverwirklichung”, so Lisa. Sie könnten so mehr Vielfalt in die Cannabis-Wirtschaft bringen. Ihr ultimativer Tipp: “Frauen sollten sich nicht unter Wert verkaufen.”

Amy Margolis
US-Cannabis-Anwältin

“Der Geschlechterdiskrepanz in der Cannabis-Branche ein Ende setzen.”

Amy Margolis hat sich in den letzten 20 Jahren als eine der renommiertesten Cannabis-Anwältinnen etabliert. Ihre Leidenschaft für die Sache, ihre fundierte Expertise und ihr Engagement für eine gerechtere und transparentere Regulierung machen sie zu einer inspirierenden Persönlichkeit in der Cannabis-Bewegung. Amy begann ihre juristische Laufbahn in Oregon, wo sie sich auf Strafrecht spezialisierte. Doch ihr Interesse für Cannabis-Recht erwachte, als Oregon 2014 den legalen Verkauf von Cannabis für den Freizeitgebrauch genehmigte. Sie erkannte das Potenzial dieses aufstrebenden Marktes und widmete sich fortan dem Schutz der Rechte von Cannabis-Unternehmen und -konsument:innen.

Ihre Kanzlei, “The Initiative Law Group,” richtet sich mit ihrem Programm ausschließlich an weibliche Cannabis-Unternehmerinnen. Amy und ihr Team zeigen Gründerinnen den Zugang zu verschiedenen Finanzmitteln auf und erstellen mit ihnen gemeinsam Businesspläne. Das Ziel: der Geschlechterdiskrepanz in der Cannabis-Branche ein Ende setzen.

Neben ihrer juristischen Tätigkeit ist Amy Margolis auch als Speakerin und Aktivistin aktiv. Sie setzt sich für die Rechte von Cannabis-Patient:innen und -Unternehmer:innen ein und engagiert sich in verschiedenen Organisationen, die sich für die Legalisierung und Entkriminalisierung von Cannabis einsetzen. www.intheinitiative.com http://www.margolislegal.com/

Bonni Goldstein
Canna-Centers Wellness & Education

“Cannabis ist Medizin.”

Über 14 Jahre lang arbeitete Bonni Goldstein als Ärztin in der pädiatrischen Notfallmedizin. Auf Dauer waren die vielen Nachtschichten jedoch nicht mehr mit ihren Pflichten als Mutter vereinbar. Gerade als sie nach einer beruflichen Alternative suchte, fragte sie ein guter Freund, der schwer erkrankt war, nach medizinischem Cannabis. Im Rahmen ihrer Recherche wurde ihr bewusst, wie erschreckend wenig sie als Medizinerin über das Endocannabinoidsystem und die Wirkung von Cannabinioiden wusste. Als ihr Freund von den positiven Wirkungen des medizinischen Cannabis berichtete, wusste sie, dass sie das nächste Kapitel ihrer Karriere gefunden hatte. Sie entschied sich, sich für den Einsatz von medizinischen Cannabis zu engagieren und eröffnete 2008 das “Canna-Centers Wellness & Education” in Kalifornien, das sich der Aufklärung von Patient:innen über die Verwendung von Cannabis bei schweren und chronischen Erkrankungen widmet. Durch ihre Arbeit ist Dr. Goldstein eine treibende Kraft bei der Integration von Cannabis in die Schulmedizin und bot schon zahllosen Menschen, die nach alternativen Behandlungsmethoden für ihre Krankheiten suchen, Hoffnung und Erleichterung. Sie hat eine entscheidende Rolle dabei gespielt, die Wahrnehmung von Behandlungen auf Cannabisbasis zu verändern.

Durch ihre Bücher “Cannabis is Medicine: How Medical Cannabis and CBD are Healing Everything from Anxiety to Chronic Pain (2020) und “Cannabis Revealed: How the world’s most misunderstood plant is treating everything from chronic pain to epilepsy” (2017) hat sie sich als medizinische Expertin etabliert. Dr. Goldstein ist eine gefragte Rednerin und hat ihre klinischen Ergebnisse auf zahlreichen medizinischen Konferenzen vorgestellt. Sie ist auch in der Netflix-Dokumentation “Weed the People” zu sehen. https://www.canna-centers.com/

Anja Charbonneau
Broccoli Magazine

“Der Rausch steht nicht im Vordergrund.”

Schaut man sich den Markt deutscher Magazine zur Cannabis-Kultur an, fällt schnell auf, dass das Layout bei den meisten in den 1980er Jahren stehengeblieben ist. Die Gestaltung ist wenig attraktiv und übersichtlich, die Themenwelt zementiert oft nur die Gedanken einer gewissen (männlichen) Hardcore Stoner- und Growerszene.

Ganz anders das Broccoli Magazine: ein frisches modernes Layout, verspielte Bildwelten und überraschende Themen haben das Magazin von Anja Charbonneau aus Portland zu einer unübersehbaren Größe im Cannabis-Zeitschriftenmarkt gemacht. Es erscheint dreimal im Jahr und ist nach Angaben der Herausgeberin und Chefredakteurin in über 40 Ländern erhältlich.

Im Broccoli Magazine wird der Cannabiskonsum als EIN Lebensaspekt unter vielen aufgefasst, als Lifestyle, der das Leben bereichern kann. Charbonneau möchte dem Stoner-Klischee ein vielfältigeres, realistischeres und ästhetisch anspruchsvolleres Bild entgegensetzen. Dabei wendet sich die gebürtige Kanadierin ausdrücklich an weibliche Konsumierende, eine Zielgruppe, die von der einschlägigen Literatur bislang weitgehend vernachlässigt wurde. „Es gibt viele Frauen, für die Cannabis ein wichtiges Thema ist“, sagt sie. „Sie gehen meist sehr bewusst damit um und entwickeln ihre ganz persönlichen Rituale.“ Anders als bei den meisten Männern stehe dabei jedoch nicht der Rausch, sondern das körperliche Wohlbefinden im Vordergrund. https://broccolimag.com/ https://www.gossamer.co/articles/anja-charbonneau

Dies war Teil 2 unserer dreiteiligen Serie über die 15 einflussreichsten Frauen im Cannabis-Business. Bleibt dran, und erfahrt im nächsten (und letzten) Teil mehr über zehn weitere Persönlichkeiten, u.a. über unsere Sommelière Adele Hollmann

Wie kam es zu dieser Entscheidung?

In der Schweiz ist der Anbau, der Import/Export, die Weiterverarbeitung und der Verkauf von Cannabis untersagt, mit der Ausnahme von Hanfblüten und -Produkten, die einen THC-Gehalt von weniger als einem Prozent aufweisen dürfen. Zudem gibt es eine straffreie Toleranzgrenze von 10 Gramm Cannabis für den Eigenbedarf. Allgemein gilt Cannabis jedoch weiterhin als illegale Droge und wird oftmals auf dem Schwarzmarkt bezogen, mit allen bekannten Risiken für die persönliche Gesundheit. Aus diesem Grund hat das Parlament beschlossen, für zehn Jahre Pilotversuche mit nicht-medizinischem  Cannabiskonsum bei Erwachsenen zu erlauben. 

Aus diesem Grund verabschiedete das Parlament eine Änderung des Betäubungsmittelgesetzes (BetmG) am 25. September 2020. Diese Anpassung war die gesetzliche Grundlage für die Durchführung von örtlich und zeitlich begrenzten, wissenschaftlichen Pilotversuchen mit Cannabis zu “Genusszwecken”.

Seit dem 15. Mai 2021 ist die neue Regelung in Kraft und erlaubt wissenschaftliche Tests, bei denen kontrolliert Cannabis an Menschen abgegeben wird, um herauszufinden, wie sich Cannabis auf die Gesellschaft auswirkt. Diese Tests sollen helfen, bessere Gesetze in Bezug auf Cannabis zu machen.

Was ist ein Pilotversuch?

Unter dem Begriff “Pilotversuch” verbirgt sich eine wissenschaftliche Studie, die zum Ziel hat, den Umgang mit Cannabis und die Auswirkungen auf die Gesellschaft zu analysieren. Mit den Ergebnissen einer solchen Studie können mehr Daten über den allgemeinen Cannabiskonsum und auch die Beeinflussung von Körper und Psyche zusammengetragen werden. Aber wie genau funktioniert das?

Zuerst einmal werden Studienteilnehmer:innen gesucht, die spezifische Kriterien erfüllen. Unter anderem müssen sie in einem der teilnehmenden Kantone wohnhaft sein und regelmäßiger Cannabis-Konsument:in sein. Letzteres dient dazu, keine neuen potentiell neuen Konsument:innen zu werben und so die Konsumentenzahlen zu erhöhen. Ist man dann offizielle:r Proband:in, ist man dazu berechtigt, legales, nicht-medizinisches Cannabis oder Cannabisprodukte wie Edibles oder Tinkturen in bestimmten Mengen zu erwerben. 

Um das Ganze im Rahmen zu halten und Daten zu erheben, werden regelmäßig Befragungen und Analysen durchgeführt, um beispielsweise die durchschnittliche Konsummenge oder Konsumart der Teilnehmer:innen, die Auswirkung auf ihre Psyche und das allgemeine Konsumverhalten zu untersuchen. Auf Basis dieser Ergebnisse  könnten bestehende Gesetze zum Cannabiskonsum optimiert und beispielsweise Themen wie Safer-Use und Schadensminderung gefördert werden.

Welche Rolle spielen BAG & ISGF?

Das Schweizer Institut für Sucht- und Gesundheitsforschung (ISGF) beschäftigt sich grundsätzlich mit Themen wie Suchtprävention und Aufklärung, weshalb auch sie eine große Rolle bei der Durchführung der Pilotversuche spielen. Damit die Studien ordnungsgemäß und wissenschaftlich durchgeführt werden können, bedarf es Regeln und Informationen, welche die Studienteilnehmer:innen schützen sollen – sowohl körperlich als auch rechtlich.

An einem der Pilotversuche ist neben dem ISGF auch die Sanity Group beteiligt . Die Studie unter dem Namen „Grashaus Projects“ wird noch in diesem Jahr starten.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) ist zuständig für die Bewilligung der Pilotversuche und auch im späteren Verlauf fungiert es als Kontrolleinheit: Auch nach der Bewilligung eines Pilotversuches finden regelmäßige Inspektionen statt, um die Einhaltung der Anforderungen zu überprüfen.

Sowohl das BAG als auch das ISGF erhoffen sich aus den diversen Pilotprojekten eine Zurückdrängung des Schwarzmarktes und zeitgleich eine Verbesserung des Jugendschutzes. Zudem liefern die Versuche wertvolle Ergebnisse über Aspekte wie Arbeitsfähigkeit bei regelmäßigem Konsum sowie die Auswirkung von Cannabis auf familiäre und soziale Beziehungen.  

Vorteile für Konsument:innen

Ein Pilotversuch in dieser Art und Weise ist nicht nur für die Wissenschaft und die Gesellschaft von Vorteil, die ihre Schlüsse aus den Ergebnissen ziehen kann.  Er kann potentiell auch positive Auswirkungen für die Studienteilnehmer:innen und Konsumierende nach sich ziehen.

Mit der Legalität des Erwerbs und Konsums von Cannabis könnte auch die Stigmatisierung des Konsums allmählich verschwinden. Es besteht keine Notwendigkeit mehr, sich beim Konsum zu verstecken oder panisch zu werden, wenn sich noch ein Beutel mit Cannabis in der Jackentasche befindet und Polizei-Beamte in der Nähe sind. Für viele ist dies ein enorm wichtiger Punkt, da durch diese Entstigmatisierung auch eine Normalität in Bezug auf das Thema Cannabis entstehen könnte.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Qualität der Produkte. Während sich im Cannabis von der Straße Streckmittel, Verunreinigungen oder Schimmel befinden können, braucht man sich bei Produkten aus den Abgabestellen keine Sorgen zu machen. Vielmehr wird bei der Produktion der Cannabisblüten bereits auf Bio-Qualität und Nachhaltigkeit gesetzt. Und auch bei der Trocknung legen viele Unternehmen eine große Sorgfalt an den Tag, was am Ende den Konsument:innen zugutekommt.

Doch auch bei Top-Produkten beinhaltet der Konsum Risiken. Aus diesem Grund bilden auch die Aufklärung und Beratung einen wichtigen positiven Aspekt der Pilotversuche. Safer-Use-Guidelines, Beratung bzgl. des eigenen Konsummusters und Aufklärung über die Wirkung von THC können insbesondere für unerfahrene Cannabis-Interessierte hilfreiche Stützen sein. Zudem besitzen alle Produkte, die Studienteilnehmer:innen erwerben können, eine klare und nachgewiesene Auszeichnung ihres THC-Gehaltes – was man im Schwarzmarkt vergeblich suchen würde.

Grashaus Projects: Sanity Group betreibt Europas erstes legales THC-Fachgeschäft in Baselland

Grashaus Projects betreibt im Rahmen eines Pilotversuchs in Allschwil im Kanton Basel-Landschaft Europas erstes legales Cannabis-Fachgeschäft. Hier können Studienteilnehmer:innen bereits ab Dezember 2023 legal THC-haltige Blüten und weitere Produkte erwerben. Diese stammen vom Schweizer Hersteller SwissExtracts. Zur Auswahl stehen neben Blüten auch Haschisch, Tinkturen, Vape-Sticks und Edibles.

Das Besondere an Grashaus Projects ist die Tatsache, dass es  sich bei dem Store um Europas allererste, echte “Dispensary” handelt. Dispensary oder Abgabestelle bedeutet in diesem Fall, dass der Laden ausschließlich auf den Verkauf von Cannabisprodukten und die damit verbundene Beratung ausgerichtet ist. Andere Formen von Abgabestellen, wie beispielsweise Apotheken im Kanton Bern, erweitern ihre eigentliche Tätigkeit um den Verkauf der THC-haltigen Produkte – sie werden von bewilligten Anbau-Unternehmen mit Blüten versorgt. In Zürich und Genf wiederum setzt man auf Anbauvereine, welche das Cannabis selbst produzieren und den Mitgliedern des Vereins verkaufen dürfen.

In der Abgabestelle Grashaus Projects findet eine fachliche Konsumberatung statt, die durch Safer-Use-Guidelines unterstützt wird. Ziel ist es, die Studienteilnehmer:innen auf den Pfad eines möglichst risikoarmen Konsums zu führen, auch in Hinblick auf schädlichen Tabakkonsum: Man rät beispielsweise zur Nutzung eines Verdampfers, um Schadstoffe zu verringern oder statt stark THC-haltiger Sorten lieber auf ausbalancierte Sorten auszuweichen. 

Alles in allem stehen bei Grashaus Projects der verantwortungsbewusste und schadensmindernde Konsum sowie die Beratung und Aufklärung im Vordergrund. Erfasst werden Konsumverhalten sowie die körperliche und psychische Gesundheit der Teilnehmenden. Doch auch die gesellschaftlichen Auswirkungen, insbesondere auf die öffentliche Sicherheit und Ordnung, werden analysiert. Man darf also sehr gespannt sein, welche Ergebnisse während und nach der 5-jährigen Pilotphase erwartet werden können und wie sich der Konsum von legalem Cannabis auf die Schweizer Gesellschaft auswirkt.

Mehr zum legalen Fachgeschäft in Basellandschaft erfahrt Ihr auf der Website www.grashausprojects.ch

Anbau im Ausland

In Luxemburg ist es den Bürger:innen erlaubt, insgesamt vier Cannabispflanzen legal anzubauen. Eine Regel dabei ist jedoch, dass der Anbau nicht öffentlich sichtbar sein darf. Das bedeutet, dass ein “Grow” nicht in gut einsehbaren Gärten oder auf dem Balkon, sondern hauptsächlich in dafür vorgesehenen “Growboxen/-schränken” stattfinden darf. 
Auch Malta gestattet seinen Bewohner:innen den Anbau von vier Pflanzen, die Regierung schreibt den Hobbygärtner:innen allerdings nicht vor, wo diese angebaut werden dürfen — im Gegensatz zu den Niederlanden, wo zwar fünf Pflanzen erlaubt sind, das Gelände allerdings eingezäunt sein muss und auch keine Geruchsbelästigung für die umgebenden Nachbar:innen darstellen darf.

In den USA ist es ähnlich wie in den Niederlanden: Das Anbaugebiet muss umzäunt sein und darf keine Belästigung für Umliegende darstellen. Allerdings ist es in einigen Bundesstaaten sogar erlaubt, bis zu 15 Pflanzen gleichzeitig anzubauen.

In Uruguay darf man zwar “nur” bis zu sechs Pflanzen pro Haushalt anbauen, doch darüber hinaus ist es möglich, einen Bestand an 480 Gramm getrocknetem Cannabis zu Hause zu lagern. Grundsätzlich gilt für alle Länder, dass der Zugang sowohl zum Endprodukt als auch zu den Pflanzen selbst für Minderjährige ausreichend zu schützen ist.

Eigenanbau von Cannabis in Deutschland 

Nach dem aktuellen Cannabisgesetz (CanG) wird auch in Deutschland ab 2024 der Anbau von bis zu drei “lebenden” Pflanzen pro Person erlaubt sein. Auch für Deutschland gelten viele der Regeln wie in den anderen Ländern. Beispielsweise gibt es selbstverständlich auch hier die Pflicht für Eigenanbauer:innen, ihre Pflanzen sowie ihre Ernte vor dem Zugriff durch Minderjährige zu schützen. 

Anders als in einigen Ländern wird es in Deutschland auch Cannabis Clubs geben. Hierbei handelt es sich um Vereine oder Genossenschaften, die gemeinsam den Anbau von Cannabis im geregelten Maße praktizieren können. Das Cannabis wird gemeinschaftlich produziert und anschließend an die Clubmitglieder abgegeben. Dabei darf jedoch kein gewerblicher Charakter entstehen. Konsumieren dürfen die Mitglieder allerdings nur in den eigenen vier Wänden oder innerhalb eines bestimmten Radius (Abstandsregel), die weit genug von Orten wie Schulen, Kindergärten oder öffentlichen Sportstätten entfernt ist.

Wichtig beim Anbau in Deutschland ist auch, dass das eigens angebaute Cannabis nur für den Eigenverbrauch genutzt werden darf. Jegliche Weitergabe oder gar der Verkauf des eigenen Cannabis kann weiterhin zu strafrechtlichen Folgen führen.

Mögliche Probleme & Risiken beim Eigenanbau

Auch wenn der legale Eigenanbau für viele passionierte Hobby-Grower:innen einen Segen darstellt, so birgt der Anbau der persönlichen Vorräte auch Risiken und Probleme. Um am Ende des Tages ein wirklich gutes und sauberes Produkt zu erhalten, gehört einiges an Expertise und Sorgsamkeit – beim Indooranbau zusätzlich noch einiges an Kosten.

Risiken beim Outdoor-Anbau

Zu den häufigsten Risiken und Problemen bei einem Anbau unter freiem Himmel oder in einem Gewächshaus zählt definitiv das Thema Kontamination: Bereits die falsche Wahl des Standortes kann Kontaminationen verursachen, da Pflanzen in der Lage sind, Schwermetalle und Giftstoffe aus dem Boden zu absorbieren. Diese Stoffe werden durch die Stängel der Pflanze bis in die Blüten geleitet, in denen sie sich ablagern und für Konsument:innen gesundheitsschädliche Folgen haben können. 
Auch Schimmelbefall ist ein nicht zu unterschätzender Risikofaktor. Durch den Befall kann in wenigen Tagen ein Großteil der Blüten ungenießbar werden und im schlimmsten Fall weitere Pflanzen infizieren. Doch auch nach der Ernte kann durch falsche Lagerung Schimmel entstehen, der beim Konsum eine enorm gesundheitsschädigende Wirkung haben kann. 

Oftmals ist auch eine unzureichende Sicherung ein Problem beim Outdoor-Anbau – ein einfacher Maschendrahtzaun ist schnell zerschnitten. Somit besteht bei geringeren Sicherheitsvorkehrungen das Risiko von Diebstahl oder dem Zugang von Minderjährigen.

Risiken beim Indoor-Anbau

Der Anbau in einem dafür vorgesehenen Schrank oder Anbau-Zelt bietet gerade für Anfänger:innen und Unerfahrene einige Risikofaktoren und Probleme, die man nicht außer Acht lassen sollte.

Ein wichtiger Punkt sind allein schon die Kosten, die durch die Nutzung einer Indoor-Anlage anfallen: Da wären einmal die Stromkosten für die künstliche Belichtung, Ab- und Zuluft sowie für den Betrieb eines Umluftventilators – in manchen Fällen kommt zusätzlich noch eine Heizung oder eine Entfeuchtungsanlage zum Einsatz. Je nach Anbaumethode muss mit weiteren Kosten für die Bewässerung gerechnet werden. Und da Pflanzen in Töpfen ihre Nährstoffe schnell aufgebraucht haben, bedarf es oftmals noch der Zugabe von Düngemitteln, die ebenfalls Geld kosten.

Bereits bei der Installation der Anlage muss sorgfältig gearbeitet werden, da hierbei Risikofaktoren entstehen können, beispielsweise durch eine falsche oder unsachgemäße Installation der Einzelteile. Falsche Verkabelungen können dabei Kurzschlüsse erzeugen und somit eine Brandgefahr darstellen. Und auch falsch angeschlossene oder undichte Bewässerungsanlagen können zu Wasserschäden führen.

Und zu guter Letzt ist auch eine Indooranlage nicht vor Kontamination geschützt. Insbesondere Schimmelbefall kann durch unsauberes Arbeiten oder unzureichende Hygiene im Anbauzelt zu einem echten Problem werden, da es sich in einem geschlossenen Raum noch schneller verbreiten kann.

Aufklärung für Eigenanbau fördern

Viele der oben aufgeführten Risiken und Probleme entstehen hauptsächlich aus Unwissenheit und fehlendem Know-How in der Pflanzenpflege oder dem Betreiben einer Anbauanlage. Um diese Faktoren so gering wie möglich zu halten, ist eine Aufklärung und Wissensweitergabe in diesem Feld unerlässlich.

Öffentlich verfügbares Wissen zu Themen wie Pflanzengesundheit, Anlagenhygiene oder die Identifikation von Schädlingen können zu einer starken Reduzierung von Missernten und gesundheitsschädlichen Blüten führen. Aber auch Anleitungen zum Betreiben eines Anbauzeltes oder visuelle Lernmaterialien zur Erkennung von Nährstoffmängeln oder -überschüssen wären durchaus sinnvoll, um den Eigenanbauer:innen einen geeigneten Leitfaden an die Hand zu geben, der Risiken minimiert. 

Auch das Thema Jugendschutz könnte bei der Aufklärung viel detaillierter erläutert werden. Anstatt nur die Forderung in den Raum zu stellen, dass die Pflanzen und die Ernte unzugänglich für Minderjährige sein müssen, könnten hier direkte Vorschläge zur Absicherung von Anbauflächen oder Anbau- und Lagerschränken aufgezeigt werden.

Grundsätzlich ist zwar jede:r individuell für den Erfolg und die Qualität seines oder ihres Eigenanbaus verantwortlich. Doch nur durch das Bereitstellen und Abrufen von Informationen entsteht die Möglichkeit, einen Eigenanbau ohne größere Risiken zu praktizieren, um sich und andere nicht zu gefährden.

In diesem Beitrag starten wir mit den ersten fünf einflussreichen Frauen, natürlich zuerst mit denen, die für die Sanity Group arbeiten:

Antonia Menzel
Director Public Affairs & Corporate Communications, Sanity Group

„Gerade weil die Cannabisindustrie noch jung ist, bietet sie Frauen enorme Gestaltungsmöglichkeiten.“

Seit über sechs Jahren leitet Antonia die Public Affairs-und Kommunikationsabteilung der Sanity Group. Als studierte Politik- und Wirtschaftswissenschaftlerin bringt sie langjährige Erfahrung aus der gesundheitspolitischen Praxis mit. Seit Dezember 2019 vertritt sie die Sanity Group auf öffentlichen Veranstaltungen wie Messen, Konferenzen und Podiumsdiskussionen. Bereits während ihres Studiums (International Business Management und Global Political Economy) in Berlin, Kassel und St. Petersburg, war es ihr wichtig, sich an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Politik zu bewegen. Das brachte sie beruflich in den Public Affairs-Bereich. 

Nach ihrem Studium spezialisierte sich Antonia auf Gesundheitspolitik und beriet Unternehmen aus der Pharma-, Biotechnologie- und Medizintechnikbranche sowie aus dem Bereich Digital Health zu Public Affairs-Strategien. Und obwohl das noch zu Zeiten war, bevor das Gesetz zum medizinischen Cannabis 2017 in Deutschland eingeführt wurde, hat Antonia schon die ersten Cannabisunternehmen aus den USA und Kanada zu ihrem geplanten Markteintritt nach Deutschland beraten. 

Von der Beratung wechselte Antonia dann auf die Verbandsseite und arbeitete für den Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) im Bereich industrielle Gesundheitswirtschaft. Als Vorstandsvorsitzende im Bundesverband pharmazeutischer Cannabinoidunternehmen e.V. (BPC) setzt sich Antonia Menzel auch jetzt aktiv für die Interessen der Cannabisindustrie auf nationaler und internationaler Ebene ein. 
 
Antonia, welche Erfahrungen hast du bisher als Frau in der Cannabisbranche gemacht?  

Meine Wahrnehmung ist auf jeden Fall, dass Frauen in Führungspositionen in Cannabis-Unternehmen bislang noch unterrepräsentiert sind. Nun kann man darüber spekulieren, woran das liegt. Ich glaube, dass Frauen generell seltener das Risiko einer Unternehmensgründung eingehen. Das ist ein generelles Problem in der Startup-Branche, allgemein kann man diese Risikoaversion aber auch auf die Gesellschaft übertragen. Ich habe jedoch das Gefühl, dass die Cannabis-Branche eine Industrie ist, die alle Geschlechter gleichwertig adressieren kann. Wir bei der Sanity Group haben zum Beispiel einen ausgeglichenen Männer-Frauen-Anteil in der Belegschaft. Ich glaube aber, dass da auf jeden Fall noch mehr Potenzial ist, um in der Industrie auch Frauen mehr Chancen zu geben. 

Gibt es deiner Meinung nach eine besondere Verbindung zwischen Cannabis und Frauen? 

Ich finde, dass Cannabis im Bereich der Frauengesundheit einen großen Mehrwert hat, schon alleine im gynäkologischen Bereich, z.B. bei der Behandlung von Endometriose. Außerdem hat sich im Bereich der Naturkosmetik die CBD-Kosmetik etabliert, die sich an gesundheitsbewusste und naturbezogene Personen richtet – vor allem Frauen.

Was möchtest du den Frauen in der Cannabis-Industrie mitgeben?

Ich bin immer dafür, dass Frauen sich nicht unterkriegen lassen sollten von der Vielzahl an Männern in diesem Business. Wenn sie eine Leidenschaft für das Thema haben, sollten sie sich nicht scheuen, einen Job in der Cannabis-Industrie anzutreten, auch wenn das eine sehr volatile Branche mit vielen Höhen und Tiefen ist. Gerade weil die Cannabisindustrie noch jung ist, bietet sie Frauen enorme Gestaltungsmöglichkeiten. 

Hast du Wünsche und Ziele, was den Cannabis-Markt angeht? 

Mein Ziel ist es auf jeden Fall, dass Medizinalcannabis zukünftig in die Regelversorgung überführt wird und damit die Versorgung von Patient:innen verbessert wird. Darüber hinaus möchte ich, dass wir den Umgang mit Konsumcannabis im Rahmen wissenschaftlich begleiteter Pilotprojekte untersuchen können, um eine evidenzbasierte Regulierung zu ermöglichen.  

Hast du ein weibliches Vorbild, das dich so richtig inspiriert hat? 

Meine Großmutter! Sie war eine sehr starke Persönlichkeit. Sie hat früher alles gewuppt, hat drei Kinder gehabt, nebenbei einen Job gestemmt, hat noch zu Hause den Haushalt geschmissen und war Leistungssportlerin in der Leichtathletik. Eine tolle Frau, die sich trotz allem – obwohl sie den Krieg erlebt hat – nie hat unterkriegen lassen, sondern immer positiv geblieben ist und immer Stärke symbolisiert hat. Das hat mich sehr geprägt und positiv beeinflusst. 

Dr. Shabnam Sarshar
Co-Founder & Vision and Production Director, FemCan GmbH

”Bedürfnisse von Frauen respektieren und ernst nehmen”

Ein Großteil der Frauenkosmetik beschränkt sich hauptsächlich auf Anti-Aging oder Verjüngung. Doch kaum jemand sieht den Alterungsprozess und die Menopause als eine natürliche und schöne Phase im Leben einer Frau. Shabnam Sarshar ist eine der wenigen, die in diesen Zeiten der körperlichen Veränderungen keinen Bedarf zur Gegenwehr, sondern vielmehr eine Möglichkeit zur Unterstützung sieht.

Dr. Shabnam Sarshar ist bereits seit mehreren Jahren im Cannabis-Business tätig und seit März 2022 Mitgründerin des Unternehmens FemCan GmbH. Als Vision und Production Director plant und entwickelt sie neue Produkte im Bereich der funktionalen Kosmetik und Frauengesundheit – Themenbereiche, denen in ihren Augen noch immer zu wenig Beachtung geschenkt wird.

Zudem soll FemCan ein Informationsportal von Frauen für Frauen werden: “Wir wünschen uns eine Welt, in der die Bedürfnisse von Frauen respektiert und ernst genommen werden. Dafür haben wir eine Plattform geschaffen, auf der Frauen von Expert:innen lernen oder anderen Frauen Rat und Hilfe anbieten können.” Aus ihrer Sicht hat medizinisches Cannabis auch für Frauen ein großes Potenzial, doch wird dieses Potenzial noch zu stark durch Regulierungen unterdrückt.

“In der indischen Mythologie gibt es eine Geschichte: Gott Shiva hat eine vernichtende Menge Gift zu sich genommen und in einer der Überlieferungen kommt ihm Pavarti, seine Gattin, mit einem Krug voll Bhang ´(traditionelles Milchgetränk mit Cannabis) zur Hilfe, um die Vergiftung zu lindern. Zudem sind es auch hauptsächlich die weiblichen Cannabispflanzen, die für die meisten interessant sind. Daher würde ich sagen, dass Cannabis und Frauen eine enge Beziehung zueinander haben.”  www.femcan.com

Dr. Rachel Knox
Endocannabinologin & Spezialistin für Cannabinoid-Medizin bei Doctors Knox Inc.

“Aufklärung für die Community of Color”

Dr. Rachel Knox ist eine Spezialistin für Cannabinoidmedizin und klinische Endocannabinologin mit Abschlüssen in Medizin und Betriebswirtschaft von der Tufts School of Medicine. Ihre Expertise erstreckt sich auf funktionelle Medizin, Cannabinologie und Endocannabinologie. Zusammen mit ihrer Familie gründete sie Doctors Knox, Inc., American Cannabinoid Clinics und Pivital Edu, um die Bildung im Bereich Cannabinoidmedizin und Endocannabinoidpflege zu fördern.

Dr. Rachel ist auch eine politische und regulatorische Beraterin für Cannabis und Psychedelika. Sie setzt sich für Reformen ein, insbesondere für die Aufklärung von Communities of Color über die Rolle von Cannabis, Psychedelika und anderer Pflanzenmedizin. Sie ist Mitbegründerin und Präsidentin des Cannabis Health Equity Movement™ (CHEM) sowie Vorsitzende der Association for Cannabis Health Equity and Medicine (ACHEM) und CHEM Allyance.

In Oregon leitete sie die Oregon Cannabis Commission, ist Mitglied des Cannabis Policy Oversight Teams in Portland und des Psilocybin Advisory Board von Oregon. Sie ist außerdem Vorstandsmitglied von NuLeaf PDX und engagiert sich auf nationaler Ebene in verschiedenen Gremien, darunter die Cannabis Regulators of Color Coalition (CRCC), Doctors for Cannabis Regulation (DFCR), Minority Cannabis Business Association (MCBA), American Academy of Cannabinoid Medicine (AACM) und der US Cannabis Council. https://doctorsknox.com/

Heidi Whitman
Global Business Development and Strategy Officer bei Swiss Queen


“Cannabinoide auch für Haustiere”

Ihr Interesse an Cannabis wurde bei Heidi Whitman durch ihren Vater geweckt, der es für seine Gesundheit nutzte. Sie beobachtete den Aufstieg der Cannabisbewegung und die Explosion von CBD-Marken in Kalifornien. Heidi und ihr Mann begannen, die Welt der Cannabinoide zu erforschen, und gründeten die Marke „The Naked Leaf“, die Produkte für Tiere und Menschen anbietet. Sie wollten eine Lifestyle-Marke für Tierliebhaber schaffen. Als sie versuchten, diese Produkte in Großbritannien zu lancieren, wurden sie von den Regulierungen der „Veterinary Medicines Directorate“ (VMD) ausgebremst.

Heidi reagierte schnell und startete die Marke in den USA. Dort erkannte sie, dass es in der Branche an Aufklärung fehlte. Sie setzt sich für eine bessere Aufklärung und rechtliche Rahmenbedingungen ein, um den Einsatz von CBD bei Tieren in Großbritannien zu erleichtern. Ihr größter Stolz liegt darin, das Leben von Menschen und Tieren positiv beeinflussen zu können. Sie glaubt an die Kraft von CBD und pflanzlichen Lösungen für Gesundheitsprobleme und setzt sich leidenschaftlich für die Gesundheit von Mensch und Tier ein. Heute arbeitet die gebürtige Engländerin als Global Business Development and Strategy Officer bei Swiss Queen, einem Schweizer Forschungs- und Produktionsunternehmen im Bereich Cannabis.
https://www.swissqueen.ch/

Jamie Evans
Autorin, Sommelière und Entrepreneur mit The Herb Somm

“Die kulinarischen Seiten von Cannabis bekannt machen”

Jamie Evans, auch bekannt als The Herb Somm, ist eine renommierte Persönlichkeit in der Welt von Cannabis und Wein. Als Autorin von drei Büchern, zertifizierte Sommelière und Unternehmerin hat sie sich auf die Verbindung von Cannabis, CBD und kulinarischen Genüssen spezialisiert.

Ihr Blog und ihre Lifestyle-Marke, The Herb Somm, widmet sich der gehobenen kulinarischen Seite der Cannabisbranche und bietet eine Fülle von Informationen über infundierte Lebensmittel und Getränke. Im März 2018 wurde der Blog The Herb Somm mit “Thursday Infused” ins Leben gerufen, einer Gourmet-Veranstaltungsreihe, die verschiedene Cannabis-Köche in den USA vorstellt. Diese Bildungsveranstaltungen konzentrieren sich auf die Förderung gesunder und sicherer Möglichkeiten des Konsums von Esswaren, Cannabis und CBD-Produkten.

Jamie erlangte Bekanntheit durch ihre literarische Arbeit und ihre einzigartigen Cannakulinarik-Veranstaltungen. Neben ihren Büchern hat sie zudem noch Beiträge in renommierten Magazinen veröffentlicht, darunter Wine Enthusiast Magazine, High Times Magazine und mehr.

Zudem hat Jamie auch aktiv zur Bildung und Aufklärung über CBD und Cannabis beigetragen und ist eine angesehene Persönlichkeit in der Branche. Sie ist bekannt für ihre Bemühungen, die Verwendung von CBD und Cannabis in der kulinarischen Welt und im Alltag zu fördern.
https://www.theherbsomm.com/


Dies war Teil 1 unserer dreiteiligen Serie über die 15 einflussreichsten Frauen im Cannabis-Business. Bleibt dran, und erfahrt in den nächsten beiden Teilen mehr über zehn weitere Persönlichkeiten, u.a. über Aline Gralke und Adele Hollmann von Grashaus Projects.

Im März letzten Jahres veröffentlichte Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir ein Video, mit dem er auf Schutzwesten aufmerksam machen wollte, die freilaufende Hühner vor Habicht-Attacken schützen können. Im Video sieht man ihn in einem Park stehen, sein Briefing-Team zupft noch an ihm herum, als die Dreharbeiten jäh unterbrochen werden – allerdings nicht durch einen spontanen Greifvogelangriff von oben: ein auf einem Skateboard vorbei rollender junger Mann ruft ihm die Frage zu: “Wann Bubatz legal?”
Özdemir weiß sofort, was gemeint ist: “Wenn es nach mir geht, bald“, lacht er, “Wir haben es ja versprochen in der Koalitionsvereinbarung“, entgegnet er.

Knapp ein Jahr später, im April, wurde dann deutlich, was von diesem Vorhaben der Cannabis-Legalisierung in Deutschland in der politischen Realität übrig bleiben wird: eine Legalisierung light. Am 12. April 2023 stellten Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) und Özdemir ihre Pläne zur teilweisen Legalisierung von Cannabis vor. Das überarbeitete Eckpunktepapier 2.0 sieht ein Zwei-Säulen-Modell¹ vor. Dieses beinhaltet die Streichung von Cannabis von der Liste der Betäubungsmittel, die kontrollierte Abgabe von Cannabis über Vereine sowie den privaten Eigenanbau von bis zu drei weiblichen, blühenden Pflanzen im Rahmen der Säule 1. Im nächsten Schritt – als Säule 2 – soll der Verkauf über lizensierte Fachgeschäfte in Pilotprojekten getestet werden.

Einen kompakten Überblick zu den Pilotprojekten haben wir hier zusammengestellt.

Doch zuvor noch ein paar Worte zur Säule 1:

Säule 1: Entkriminalisierung, Eigenanbau und Cannabis Social Clubs

Die erste Säule soll den nicht-kommerziellen Anbau im privaten Bereich und im Rahmen von Cannabis Social Clubs regeln. Dazu liegt nun seit Anfang Juli ein Referentenentwurf des Bundesgesundheitsministeriums vor. Generell sollen der Besitz von bis zu 25 Gramm Cannabis zum Eigenbedarf und der Eigenanbau von höchstens drei Pflanzen straffrei werden. Faktisch handelt es sich um eine Entkriminalisierung des Anbaus und des Besitzes von Cannabis zum Eigengebrauch.


Die Clubs wiederum sollen eine Organisationsstruktur zum gemeinschaftlichen Anbau von Cannabis bilden. Im ersten Schritt können Erwachsene bundesweit nicht-gewinnorientierte Vereine zum gemeinschaftlichen Anbau von Cannabis gründen. Diese Vereinigungen dürfen maximal 500 Mitglieder haben. In diesen Cannabis Clubs dürfen die Mitglieder gemeinschaftlich Cannabis zu Genusszwecken anbauen und auch nur an Mitglieder für den Eigenkonsum abgeben. Das Mindestalter ist 18 Jahre. Eine Mitgliedschaft in mehreren Vereinen ist verboten.

Säule 2: Regionales Modellvorhaben mit “kommerziellen Lieferketten” für Cannabis

Die zweite Säule würde im nächsten Schritt auf dem Weg zu einer bundesweiten Legalisierung regional begrenzte “Modellvorhaben mit kommerziellen Lieferketten” vorsehen. Diese Pilotprojekte sind als erster Schritt zu einer evidenzbasierten, progressiven Drogenpolitik gedacht. Unternehmen würde damit die Produktion, der Vertrieb und die Abgabe von Genusscannabis in Fachgeschäften an Erwachsene in einem lizenzierten und staatlich kontrollierten Rahmen ermöglicht. Über einen Zeitraum von fünf Jahren dürfen Unternehmen in lizenzierten Fachgeschäften Cannabis an Erwachsene verkaufen. Das Modellvorhaben würde dann wissenschaftlich begleitet und erstreckte sich auf bestimmte Kreise und Städte in mehreren Bundesländern. Einige Städte und Bundesländer haben schon ihr Interesse an der Teilnahme bekundet (siehe unten), doch zum jetzigen Zeitpunkt steht noch nicht fest, welche davon wirklich am Pilotprojekt teilnehmen .
Mit dieser Säule könnten die Auswirkungen einer kommerziellen Lieferkette auf den Gesundheits- und Jugendschutz sowie den Schwarzmarkt wissenschaftlich untersucht werden. Der Gesetzesentwurf zur Säule 2 steht allerdings noch aus, viele Rahmenbedingungen für Pilotprojekte sind noch unklar.

Diese Städte bieten sich als Modellregion an

“Beworben” haben sich schon diverse Kandidaten, die gerne als Modellregion ausgewählt würden: Aus einer WELT-Umfrage unter 35 deutschen Städten geht hervor, dass bereits jetzt mindestens elf deutsche Städte offen dafür sind, künftig als Cannabis-Modellregion zur Verfügung zu stehen. Bremen teilte mit, man stehe einer Teilnahme als Modellregion grundsätzlich offen gegenüber. Hannover ist ebenfalls an einer Teilnahme „sehr interessiert“. Bonn stehe dem Vorhaben „positiv gegenüber“, auch Tübingen, Leipzig, Münster und Schwerin. Darmstadt teilt mit, die Option eines Modellversuchs sei Teil des Koalitionsvertrags. Wiesbaden fasste einen entsprechenden Beschluss in der Stadtverordnetenversammlung 2021. Außerdem haben Frankfurt und Offenbach im Rahmen der Umfrage ihr Interesse signalisiert.


Orte wie Berlin, Hamburg, Köln, Dortmund, Düsseldorf und Stuttgart teilten mit, dass sie sich zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht mit einer Tendenz äußern können, wenn auch die einzelnen Berliner Bezirke Lichtenberg und Kreuzberg-Friedrichshain schon entschieden haben, teilnehmen zu wollen.

Andere Städte wissen hingegen schon jetzt, dass sie mit Sicherheit kein Cannabis im Pilotprojekt verkaufen wollen: Dazu gehören etwa Städte wie Nürnberg, Freiburg, Aachen, Essen und Eisenach. Neben Bayern hat sich auch NRW als Bundesland ablehnend zur Teilnahme am Modellversuch geäußert, obwohl in beiden Fällen mehrere Bezirke und Städte ihr Interesse an der Teilnahme bekundet haben. Fraglich ist an dieser Stelle, wie die Entscheidungskompetenzen dabei verteilt sind: Könnte ein Bundesland ein Veto einlegen, wenn es einen kommunalen Stadtratsbeschluss zur Teilnahme gibt? Diese Details müssen vom Gesetzgeber noch geklärt werden

Geplante Pilotprojekte zur legalen Abgabe von Cannabis in den Niederlanden und der Schweiz

Die Key Facts zum niederländischen Pilotprojekt, Stand Sommer 2023:

Schon 1976 hatte sich die niederländische Regierung zu einem halbherzigen Schritt durchringen können: Gemäß der bis heute umstrittenen “Coffee Shop”-Richtlinie wurde nicht die gesamte Wertschöpfungskette legalisiert und staatlich kontrolliert, sondern nur der Verkauf und Konsum toleriert, die Produktion und der Handel blieben verboten. Die Belieferung der Coffeeshops ist somit illegal. Der Handel wird über kriminelle Netzwerke abgewickelt. Doch nun will man in den Niederlanden den ganzen Schritt gehen: Schon 2017 gab es erste Ansätze, diesen aktuellen Graubereich abzuschaffen.

Als Kompromiss einigten sich die Parteien im niederländischen Parlament auf einen Gesetzentwurf für Modellversuche. Doch erst 2019 wurden die regulatorischen Rahmenbedingungen offiziell verabschiedet. 140 Unternehmen bewarben sich seinerzeit um Lizenzen, von denen 40 nach vorheriger Prüfung für ein Losverfahren zugelassen wurden. Aus diesem Pool wurden dann zehn Unternehmen im Dezember 2020 ausgelost, die legal für die Coffee Shops in den zehn Gemeinden als Modellregion Cannabis produzieren sollen. Insgesamt sollten 73 Coffee Shops ausschließlich legal produziertes Cannabis vertreiben – als sozialwissenschaftliches Experiment.

Doch seitdem kam es zu massiven Verzögerungen: Kapitalgeber wurden teilweise 18 Monate überprüft, zudem weigerten sich Banken, den Unternehmen Geschäftskonten bereit zu stellen, Versicherungen verweigerten ebenfalls die Zusammenarbeit. Der Start wurde mehrmals verzögert. Voraussichtlicher Beginn ist nun: Herbst 2023. Insgesamt soll das Experiment vier Jahre dauern. Ein dichtes Track ’n‘ Trace System soll garantieren, dass kein legal produziertes Gras in den illegalen Markt gerät. Alle Unternehmen agieren Umsatzsteuer befreit. Die meisten Unternehmen produzieren ausschließlich Indoor. Alle Batches müssen von einem unabhängigen Labor geprüft werden, bevor sie in den Handel gelangen.

Noch 2024 will die Politik zudem ein erstes Zwischenfazit ziehen. Da es sich um ein “wissenschaftliches” Pilotprojekt handelt, stände die legale Wertschöpfungskette auch im Einklang mit der Single Convention und europäischem Recht.

Schweiz: Pilotversuche mit Cannabis zu “Genusszwecken”

Schon vor drei Jahren, im September 2020 hat das Parlament der Schweiz eine Änderung des Betäubungsmittelgesetzes (BetmG) verabschiedet, die seit Mai 2021 in Kraft ist. Mit dieser Revision schafft die Politik mit dem neuen Artikel 8a BetmG die gesetzliche Grundlage für die Durchführung von örtlich und zeitlich begrenzten, wissenschaftlichen Modellvorhaben mit Cannabis zu “Genusszwecken”.

Maximal werden 5.000 Personen pro Pilotprojekt akzeptiert. Der Projektzeitraum soll höchstens fünf Jahre betragen. Das Cannabis soll möglichst in der Schweiz nach Bio-Verordnung produziert werden, bei weiterem Bedarf sollen auch Importe möglich sein. Es soll eine Obergrenze von 20 Prozent THC-Gehalt für die Cannabisblüten und die weiteren, verarbeiteten Angebote an Cannabisprodukten gelten.

Die Teilnehmer:innen der Pilotprojekte müssen als Grundvoraussetzung ihren Wohnsitz im jeweiligen Kanton haben und regelmäßig Cannabis konsumieren. Die Konsument:innen müssen volljährig sein und dürfen nicht an Kontraindikationen leiden. Auch eine Schwangerschaft ist ein Ausschlusskriterium. Die Abgabe erfolgt in Fachgeschäften, und nur gegen ein Entgelt, mit einem bestimmten Verkaufslimit pro Monat von 10 Gramm THC für jedes Mitglied. Die Menge in Gramm pro Monat errechnet sich aus dem THC-Gehalt der Ware. Die Weitergabe an Dritte, Werbung und Konsum im öffentlichen Raum außerhalb der Fachgeschäfte bleiben verboten.
Die Voraussetzungen für die Durchführung der Pilotversuche sowie die Einzelheiten zum Gesuchverfahren sind in der Verordnung über Pilotversuche nach dem Betäubungsmittelgesetz (BetmPV) geregelt.

Deutschland: Pilotprojekte noch in diesem Jahr?

Der Beginn der Pilotprojekte in Deutschland ist für den Sommer 2024 geplant. Abhängig ist dieser Zeitplan allerdings davon, wann die Inhalte der Säule 2 tatsächlich in Gesetzesform vorliegen, und ob das Gesetzespaket EU-notifizierungspflichtig ist und ob der Bundesrat zustimmungspflichtig sein wird. Erst dann können die zukünftigen Player im deutschen Cannabis-Markt überhaupt konkret planen, wie und wo sie in den Aufbau von Abgabestellen investieren wollen, und welche Beschränkung ein Gesetz ihnen dann auferlegen wird.

Fazit

  • Die Pilotprojekte könnten ein erster Schritt zu einer evidenzbasierten, progressiven Drogenpolitik sein.
  • Erfahrungen anderer Länder wie den Niederlanden oder der Schweiz bieten wertvolle Hinweise auf die Umsetzung von Pilotprojekten in Deutschland.
  • Der Gesetzesentwurf zur Säule 2 steht noch aus, viele Rahmenbedingungen für Pilotprojekte sind noch unklar, z.B. welche Rahmenbedingungen der Gesetzgeber festlegt, welche Städte, Bundesländer und Regionen teilnehmen und welche Aufnahme- und Ausschlusskriterien für potentielle teilnehmer:innen der Pilotprojekte gelten würden?

FAQ

Wo gibt es bereits Pilotprojekte zur Abgabe von Genusscannabis in Europa?
Die ersten Pilotprojekte laufen in den Niederlanden und der Schweiz.

Wann beginnt das Genusscannabis-Pilotprojekt in Deutschland?
Der Gesetzentwurf zur zweiten Säule, die regionale Modellprojekte mit kommerziellen Lieferketten vorsieht, soll in der zweiten Jahreshälfte 2023 vorgestellt werden. Dann erfolgen voraussichtlich die Einreichung des Gesetzentwurfs bei der EU-Kommission und der Start des EU-Notifizierung-Prozesses³: Gemäß (EU-)Richtlinie 2015/1535 wird geprüft, ob das nationale Recht mit dem EU-Recht in Einklang steht.
Im Laufe des ersten Halbjahres 2024 wird das Feedback der EU-Kommission erwartet. Davon ist abhängig, wie es weitergeht.

Was ist das Eckpunktepapier zur Abgabe von Genusscannabis?
Das überarbeitete Eckpunktepapier 2.0 vom April 2023 sieht ein Zwei-Säulen-Modell vor. Dieses beinhaltet die Streichung von Cannabis von der Liste der Betäubungsmittel, die kontrollierte Abgabe von Cannabis über Vereine (Cannabis Clubs) sowie den privaten Eigenanbau von bis zu drei Pflanzen. Im nächsten Schritt – als Säule 2 – soll der Verkauf über lizensierte Fachgeschäfte in Modellregionen getestet werden.

Wird Eigenanbau in Deutschland legalisiert?
Ja, dies ist Teil der Säule 1 des geplanten Gesetzesvorhabens. Es ist vorgesehen, dass der Eigenanbau von höchstens drei Pflanzen straffrei bleiben soll. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums soll sich das Bundeskabinett Mitte August 2023 mit dem Gesetzentwurf zum Eigenanbau von Cannabis befassen.

Quellen

  1. Eckpunktepapier 2.0. https://www.bundesgesundheitsministerium.de/presse/pressemitteilungen/eckpunkte-cannabis-12-04-23.html
  2. Cannabis Social Clubs: https://hanfverband.de/node/3543
  3. Städte als Modellregion: https://www.welt.de/politik/deutschland/article245250444/Cannabis-Diese-Staedte-wollen-bei-Lauterbachs-Experiment-mitmachen.html
  4. Schweizer Betäubungsmittelgesetz: https://lawbrary.ch/law/art/812_121_5-v2021.05-de-art-1/
  5. Schweizer Pilotprojekte: https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/gesund-leben/sucht-und-gesundheit/cannabis/pilotprojekte.html

Beitragsbild: Unsplash.com von Alexander Grey

Zuerst die gute Nachricht: Der Alkoholkonsum der Jugend sinkt konstant. Das hat der Report der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ergeben. Allerdings: Der Konsum von Cannabis steigt ebenso konstant. Und die Daten lassen darauf schließen, dass er sich auch häuft: So ist der Anteil der 18- bis 25- Jährigen, die in den letzten 30 Tagen vor der Befragung Cannabis konsumiert hatten, von viereinhalb Prozent im Jahr 2008 auf zwölf Prozent im Jahr 2021 geklettert. Auch die jüngeren Semester greifen der Befragung nach häufiger zum Joint: Hatten 2010 noch 1,7 Prozent im Monat vor der Umfrage Cannabis konsumiert, so lag dieser Anteil 2021 schon mehr als doppelt so hoch. Ebenfalls verdoppelt hat sich die Zwölf-Monats-Prävalenz bei den 18- 25 Jährigen beider Geschlechter. Insgesamt lag der Anteil der Cannabiskonsumierenden laut Report bei rund 4,5 Millionen Personen im Alter von 18 bis 64 Jahren. Bei jeder vierten Person lag ein problematischer Konsum vor.

Drogenpolitik: Ein kurzer Ländervergleich

So erstaunt es wenig, dass nicht nur die Bundespsychotherapeutenkammer die bisherige Drogenpolitik für gescheitert erklärt: Immer mehr Kriminolog:innen, Jurist:innen und Politiker:innen glauben nicht mehr, dass die herkömmlichen Restriktionen dazu beitragen, den Konsum zu reduzieren. Dieser Eindruck verstärkt sich, wenn man ins Nachbarland schaut: Frankreich hat mit die rigideste Cannabis-Politik Europas – und gleichzeitig die höchsten Jugendkonsument:innenzahlen.

Eine vergleichende Studie und der wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestags sind sich daher einig: Ein kausaler Zusammenhang zwischen freizügiger Cannabispolitik und Konsumverhalten ist wissenschaftlich bisher nicht belegbar. Dort allerdings, wo kriminelle Banden die Belieferung des (illegalen) Markts sichern, steigt das Risiko von gestreckten und somit gesundheitsgefährdenden Produkten. Verunreinigte Cannabisprodukte können großen gesundheitlichen Schaden erzeugen – je nachdem, ob die Ware mit Haarspray und zerstoßenen Scherben oder gar mit härteren Drogen versetzt wurde. 

Cannabiskonsum kann Nebenwirkungen haben

Doch auch der Konsum von nicht verunreinigtem Cannabis kann durchaus negative Folgen haben, etwa für das adoleszente Gehirn. Cannabisprodukte wirken berauschend, wenn sie den Wirkstoff THC enthalten. Der Rauschzustand kann individuell in Ausprägung und Intensität variieren. Auswirkungen aufs Gehirn werden vor allem in jungen Jahren festgestellt: Dann kann der präfrontale Cortex in Mitleidenschaft gezogen werden – und das wiederum hat Auswirkungen auf Konzentration oder Problemlösungsverhalten. Ferner wird eine hohe THC-Konzentration mit der Auslösung von Psychosen in Verbindung gebracht. Von ihren Gegner:innen wird die geplante Legalisierung daher häufig als ein Signal der universalen Verharmlosung von Cannabis interpretiert. 

Anders argumentiert die aktuelle Bundesregierung aus SPD, Grünen und FDP: Gerade weil in jungen Jahren oder bei einer Disposition zu psychischen Krankheiten nicht mit Hanfprodukten zu spaßen ist, habe sich die Ampelkoalition das Projekt der Legalisierung auf die Fahnen geschrieben. Nur so lasse sich ein effektiver Gesundheits- und Jugendschutz wirklich gewährleisten – indem der illegale Markt verdrängt und eine offene Präventionsarbeit ermöglicht werde.

O’zapft is vs. O’graucht is: Eine alte neue Debatte

Bei allen realen Risiken muss Cannabis jedoch auch ins Verhältnis zu anderen legalen Rauschmitteln gesetzt werden, zum Beispiel zu Alkohol. Zwar hatte die Bundestagsabgeordnete Kristine Lütke (FDP) mit ihrem Tweet zum Oktoberfest „O’graucht is“ die Lacher auf ihrer Seite. Der Hintergrund ihres Posts ist jedoch gar nicht so witzig. Daran erinnerte die Grünen-Politikerin Linda Heitmann zum Jahreswechsel: In einem Welt-Interview versuchte die Suchtspezialistin der Grünen u. a. für die Gefahren von Alkohol zu sensibilisieren. Denn tatsächlich sind die gesundheitlichen Konsequenzen in vielerlei Hinsicht deutlich drastischer als die bei Cannabisprodukten. Alkohol bestitzt nachweislich krebserregende Eigenschaften und kann u. a. Hirnschäden bei chronisch starkem Konsum verursachen – in jedem Alter. Das Risiko, bei Überdosierung zu sterben, ist hoch. Neun Millionen Menschen in Deutschland – also über zehn Prozent der Bevölkerung – ”frönen” einem problematischen Konsum. Die durch Alkohol verursachten Todesfälle belaufen sich im Schnitt auf 74 000 pro Jahr.

Konsum mit Köpfchen: Empfehlungen aus Kanada

Dass Cannabis nicht derart lebensgefährlich ist, entbindet jedoch nicht von einem verantwortungsvollen Umgang. Kanada etwa hat Leitlinien für einen risikoärmeren Konsum aufgestellt. Darin werden klare Handlungsempfehlungen gegeben, die folgende Bereiche umfassen: 

  • Einen altersgerechten Konsum
  • Beachtung des THC-Gehalts, denn je höher der THC-Gehalt eines Produkts, desto höher ist das Risiko für psychische Probleme
  • Keine Vermischung mit anderen schädlichen Produkten wie Tabak oder Alkohol
  • Hinweise für den Straßenverkehr
  • Hinweis auf Risikogruppen

In Kanada ist der Konsum nach der Legalisierung in Teilen sogar zurückgegangen.

Fazit: Steigender Konsum erfordert Prävention

Der Cannabis-Konsum steigt – trotz oder gerade wegen einer Verbotspolitik. THC-haltige Produkte sind nicht zu harmlosen, ein verantwortungsvoller Umgang damit ist jedoch möglich. Schritte dahin kann die Legalisierung bieten, z. B. mit Leitlinien oder von der Cannabisindustrie selbst geförderter Prävention.

Factsheet

Unser Factsheet zum Thema Cannabiskonsum:


FAQ

Wie viele Menschen in Deutschland konsumieren regelmäßig Cannabis?

Im Alter zwischen 18 und 64 wurden in Deutschland 4,5 Millionen Menschen als Cannabis-Konsument:innen gezählt. Allerdings kommen noch ein paar Minderjährige hinzu – hier kann es eine Dunkelziffer geben. 

Wer sollte Cannabis nicht konsumieren?

Cannabis kann Psychosen auslösen, aber auch Spätfolgen haben. Diese Gruppen sollten Cannabis nicht konsumieren: 

  • Jugendliche bis zu 21 Jahren, um eine gesunde und vollständige Entwicklung des Gehirns nicht zu beeinträchtigen (Auswirkungen aufs Gehirn werden vor allem in jungen Jahren festgestellt: Dann kann z. B. der präfrontale Cortex in Mitleidenschaft gezogen werden – und das wiederum hat Auswirkungen auf Konzentration oder Problemlösungsverhalten)
  • Psychisch gefährdete Personen: Labilen Menschen sowie Menschen mit einer Psychose- oder Schidzophreniegeschichte in der Familie wird stark von Cannabiskonsum abgeraten
  • Herzkranke Personen
  • Schwangere und Stillende

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Am 26.10.2022 hat Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) das Eckpunktepapier zur Legalisierung von Genusscannabis vorgestellt. Ein offener Punkt darin: Die sogenannten Edibles. Hinter dem englischen Begriff für „essbar“ verbergen sich alle mit THC versetzten Lebensmittel wie Muffins, Kekse, Kuchen, Gummibärchen oder Schokoladenriegel –  aber auch Getränke wie Tee oder Kakao. In den Coffeeshops in den Niederlanden gehören sie längst zum festen Repertoire, auch in Kanada oder verschiedenen Staaten der USA kann man sie problemlos kaufen. In Deutschland läuft die Debatte zum Thema noch: Die Bundesregierung hat die finale Beantwortung der Frage vorerst vertagt und spricht im Eckpunktepapier davon, eine Erweiterung der Produktpalette um Edibles “spätestens im Rahmen der Evaluierung des Gesetzes” zu prüfen. Grundsätzlich bleibt abzuwarten, wie die entsprechende Formulierung im Gesetzentwurf ausfallen wird, dessen Veröffentlichung für Ende März 2023 angekündigt wurde. Doch warum polarisieren ess- und trinkbare THC-Produkte überhaupt so sehr? 

Wenn schon legal, warum dann nicht alles?

Vom Châteuneuf-du-Pape zur Weihnachtsgans bis zum schäumenden Krug im Bierzelt: Berauschende Getränke haben in der westlichen Kultur seit Tausenden von Jahren einen festen Platz. Über alle sozialen Schichten hinweg gehört der Alkoholkonsum bis heute zu gesellschaftlichen Anlässen wie der Rote Teppich zur Oscarverleihung. Nicht allen mag sich daher auf Anhieb erschließen, worum sich die Diskussion um Edibles, zu denen auch THC-Limos oder das traditionelle indische “Bhang” (ein yoghurt-haltiges Getränk vergleichbar mit Lassie) gehören, eigentlich genau dreht. Nachvollziehbar schien dies, als die Trennungslinie zwischen Alkohol und Cannabis noch allseits strikt und klar verlief. Aber im Zuge einer möglicherweise bevorstehenden Legalisierung? Tatsächlich haben andere Staaten Erfahrungen mit ess- und trinkbaren Cannabisprodukten gemacht, die die Debatte in Deutschland beeinflussen können. 

Factsheet

Alles auf einen Blick: Unser Factsheet zum Thema Edibles:

Hintergrund: Vergiftungsfälle in Nordamerika

Erwähnenswert an der Stelle ist, dass die generelle Zustimmung der kanadischen Bevölkerung zur Legalisierung insgesamt dennoch rapide steigt: Befürworteten 2019 noch 49 Prozent der Befragten den staatlichen Verkauf von Hanfprodukten, so waren es 2021 bereits 78 Prozent: Von einem gescheiterten Projekt oder einem schlechten Image kann also nicht die Rede sein. Die Sorge darum, Edibles könnten zu Überdosierungen führen, sinkt hingegen – das allgemeine Interesse daran allerdings auch. Bevorzugten 2019 noch 36 Prozent der Befragten in Kanada diese Darreichungsform, so waren es 2021 nur noch 25 Prozent. Konstant war hingegen der Wunsch, die THC-Speise auch auswärts konsumieren zu können: Ebenfalls ein Viertel der Umfrageteilnehmer:innen würde ein Edible auch im Restaurant bestellen.
Auch in den USA ist die Zustimmung zur Legalisierung hoch: 75 Prozent befürworten sie. Der Beliebtheit von Edibles konnten die Berichte über Überdosierungen und Vergiftungen keinen Abbruch tun: 29 Prozent der Befragten gaben sie als bevorzugte Darreichungsform an. 35 Prozent würden sie im Restaurant bestellen und 21 Prozent planen, in Zukunft THC-Speisen zu konsumieren. Interessant wird es beim Thema Jugendschutz: Nur etwa die Hälfte der Befragten machte sich Gedanken dazu. Bei den Kanadier:innen waren es über 60 Prozent.

So funktionieren Edibles im Körper

Doch was unterscheidet Edibles eigentlich von anderen Darreichungsformen? Gerauchtes Cannabis wirkt deutlich schneller, dafür kürzer. Das macht sowohl die Dosierung als auch den Verlauf des THC-Rauschs leichter kontrollierbar. Wer Cannabis in Form von Edibles zu sich nimmt, wartet hingegen 30 bis 90 Minuten, bis man überhaupt etwas merkt. Und dann verselbständigt sich das Rauscherlebnis schnell nach eigenen Regeln – abhängig vom Stoffwechsel der Konsument:innen, dem Körpergewicht, der Magenfüllung, dem Terpene-Level – und natürlich der Dosis. Häufig wird der Höhepunkt bis zu vier Stunden nach Einnahme erreicht, der Nachhall kann jedoch bis zu 24 Stunden anhalten. Ab dem Moment der Ingestion besteht nur noch eine sehr reduzierte Möglichkeit, Einfluss auf den Wirkverlauf zu nehmen. Grund dafür ist die Art, wie der Körper das THC verstoffwechselt: Beim Rauchen gelangt es über die Lungenbläschen in den Blutkreislauf – dort wird es aber nur in Teilen verwertet. So fällt die Wirkung schwächer aus und verfliegt rascher. Beim Verzehr ist das anders: Ein deutlich höherer THC-Anteil gelangt bereits über den Speichel ins System, und sukzessive in Magen und Leber. Dort wird es zu 11-Hydroxy-THC umgewandelt – ein wenig erforschtes aber hochpotentes Cannabinoid. Das umgewandelte THC gelangt nun schnell ins Gehirn – mit deutlich stärkerer Wirkung.

Risikofaktor Rauchen: Warum industriell hergestellte Edibles einen Mehrwert bieten

Und doch: Der Verzehr von Cannabis kann im Vergleich zu anderen Darreichungsformen Gesundheitsvorteile bieten. So ist er deutlich ungenschonender als die herkömmliche Rauchware. Wer seinen Hanf mit Tabak mischt, geht nämlich sowohl ein höheres Krebs- als auch ein Suchtrisiko ein. Nicht zuletzt bedarf es keiner gesonderten Erlaubnis, Cannabis zum Beispiel in heißem Kakao aufzulösen. Dazu benötigt man schon jetzt nur ein paar Milligramm Blüten oder Haschisch und den Zugang zu einem Herd. Nur: Bei der DIY-Variante bestehen kaum Möglichkeiten der genauen Messbarkeit, zum Beispiel des  THC-Gehalts. Die Gefahr einer Überdosierung ist durch ein Edible-Verbot also keineswegs gebannt – im Gegenteil: Sie steigt potentiell. Genauso wie die Wahrscheinlichkeit, dass der Dreikäsehoch zu einem ofenfrischen Keks greift, der für ihn einfach aussieht wie ein Keks – und nicht wie ein essbares Rauschmittel.
So argumentieren Befürworter:innen der essbaren Darreichungsform, dass es gerade industriell gefertigte Edibles sind, die verschiedene Schreckensszenarien reduzieren können, indem der THC-Gehalt strikt kontrolliert, die Packungen eindeutig gekennzeichnet und somit verträgliche Dosierungen ermöglicht werden.

Safer-Use Guidelines statt Tarn-Schokolade

Zu den Befürworter:innen von Edibles zählen u. a. die Bundestagsabgeordnete Kristine Lütke (FDP) und Sanity-Group-CEO Finn Hänsel. Der Unternehmer versteht zwar auch die mahnenden Stimmen und das behutsame Eruieren der Bundesregierung, plädiert jedoch auch weiterhin für eine verantwortungsvolle Umsetzung. Im Verbund mit anderen Stakeholdern setzt sich sein Unternehmen für strikte SaferUse-Richtlinien ein. So müsse bereits das Packaging ganz klare Abgrenzungen und ausdrückliche Hinweise enthalten, um Verwechslungen vorzubeugen. Auch funktionale Kindersicherungen an der Verpackung seien zwingend. Und natürlich führt auch bei Edibles kein Weg an strikten Alterskontrollen und geschultem Fachpersonal in den Abgabestellen vorbei. 

Fazit

  • Edibles sind eine lungenschonende Darreichungsform von Cannabis und bisher z. B. in Kanada, manchen Staaten der USA und den Niederlanden legal.
  • Durch industrielle Fertigung wird eine bessere THC-Kontrolle und somit Dosierbarkeit möglich.
  • Jugendschutz muss höchste Priorität genießen und schließt entsprechendes Marketing – von Verpackung bis Abgabekontrolle – ein: Kindersichere Verpackungen und Reduzierung der Verwechslungsgefahr mit “harmlosen” Süßigkeiten eingeschlossen.
  • Hersteller sollten mit Safer-Use Guidelines aktiv zur Prävention beitragen.

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Am Anfang herrschte Euphorie: Bei der Regierungsbildung im Jahr 2021 schien Deutschland grundsätzlich bereit, den europaweit liberalsten Weg zur Legalisierung von Genuss-Cannabis zu beschreiten. Das Projekt sollte vor allem den Jugend- und Gesundheitsschutz verbessern. Die staatlich kontrollierte Abgabe von Genuss-Cannabis an Volljährige hätte außerdem auf längere Sicht das Potenzial, den illegalen Markt zurückdrängen – so weit, so durchdacht. Doch aufgrund der Bindung an völker- und EU-rechtliche Verträge kam ein nationaler Alleingang zunächst nicht in Frage. Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sollte federführend mit weiteren Ministerien erörtern, wie eine rechtskonforme Legalisierung gestaltet werden könnte. Daraus resultierte das Eckpunktepapier vom Oktober 2022, das von der EU-Kommission geprüft werden sollte. Da es sich jedoch nicht um ein offiziell eingeleitetes Notifizierungsverfahren handelte, lehnte diese eine Prüfung ab. Nun sollte ohne offizielles “Go” der EU-Kommission ein auf dem Eckpunktepapier basierender Gesetzentwurf erarbeitet werden.

Anbau- und Produktionsmodelle: Warum sind sie relevant? 

Eine der zentralen Rollen im Eckpunktepapier spielen Anbau- und Produktionsmodelle von Genuss-Cannabis. Denn rechtlich ist der Anbau und Handel mit der THC-haltigen Pflanze aufgrund bestehender EU- und UN-Verträge über nationale Grenzen bisher nur zu medizinischen oder wissenschaftlichen Zwecken gestattet. Die Bundesregierung beruft sich hier auf die 1993 abgegebene Interpretationserklärung und argumentiert, dass ihr geplantes Vorhaben im Sinne dieser Verträge sei. Der dort angestrebte Gesundheits- und Jugendschutz könne so effizienter umgesetzt werden. Ob die EU-Kommission sich dieser Perspektive anschließt, ist Gegenstand der laufenden Evaluierung. Falls ja, müssten im Nachgang immer noch alle Mitgliedsstaaten dieser Interpretation folgen, um einen grenzübergreifenden, innereuropäischen Handel auf ein legales Fundament zu stellen. 

Herausforderungen für Cannabis-Anbau in Deutschland: Stromverbrauch & CO₂ -Ausstoß

Als Konsequenz daraus wurde der inländische Anbau im Eckpunktepapier 1.0 klar favorisiert. Der wiederum würde das Unterfangen (des inländischen Anbaus und Handels) vor ganz neue Hürden stellen. Denn die klimatischen Bedingungen in Deutschland bieten keine stabile Basis für einen flächendeckenden Freiland-Anbau, und Gewächshäuser und Kunstlicht haben einen hohen Energiebedarf. Abgesehen davon scheint es ein Mammutprojekt, die gesamte Nachfrage aus rein inländischer Produktion abzudecken: Auf 400 Tonnen pro Jahr hat die Universität Düsseldorf das erwartbare Marktvolumen beziffert. Das Stromaufkommen, das dafür notwendig wäre, beläuft sich auf den Jahresverbrauch einer Stadt von der Größe Kölns. Steigende Energiepreise oder eine knappe Versorgungslage würden den Verkaufspreis also zusätzlich negativ beeinflussen. Vor allem aber ist diese Art von Anbau sehr CO₂-intensiv: Bis ein Kilogramm solcher Ware erzeugt ist, werden zwischen 2300 und 5200 Kilogramm CO₂ produziert. Zum Vergleich: Selbst ein Kilogramm Kaffee, das in Südamerika angebaut wird, liegt in seiner endgültigen Bilanz bei 15 Kilogramm CO₂ – Röstung und Transport nach Europa bereits eingeschlossen. 

Das Dilemma ist also offensichtlich: Um den illegalen Markt effektiv zurückdrängen zu können, ist eine flächendeckende Versorgung mit hochqualitativem Cannabis zu fairen Preisen ein entscheidender Schlüsselfaktor. Ist der Preis der potenziell legalen Ware zu hoch, steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass Konsument:innen sich doch wieder der bisherigen illegalen Quellen bedienen. Dort hingegen kann weder der angestrebte Jugend- noch der Gesundheitsschutz gewährleistet werden. Importe wären in Summe klimaschonender und preiswerter – sie sind nach aktueller Rechtslage jedoch nur für medizinische und wissenschaftliche Zwecke erlaubt.

Ausführlichere Informationen zu den von der Sanity Group empfohlenen Produktionsmodellen hier lesen.

Überarbeitete Eckpunkte 2023: Wie sieht Cannabisanbau im Zwei-Säulen-Modell aus? 

Vor diesem Hintergrund verkündete Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) gemeinsam mit Landwirtschaftsminister Cem Özdemir (Die Grünen) Mitte April 2023 überarbeitete Eckpunkte: Die ursprünglichen Ziele der Legalisierung sollen beibehalten werden. Doch dazu wird nun ein Zwei-Säulen-Modell angestrebt: Einerseits soll der Besitz entkriminalisiert und entsprechender Eigenanbau deutschlandweit gestattet werden – sowohl individuell als auch im Anbaukollektiv, in sogenannten Cannabis Social Clubs, wie sie etwa in Spanien schon weit verbreitet sind. Die Evaluierung dieser ersten Säule soll nach vier Jahren erfolgen. 

Andererseits sollen – ähnlich wie aktuell in der Schweiz – Modellregionen für wissenschaftliche Pilotversuche zur Legalisierung errichtet werden. Diese Versuche sollen für fünf Jahre laufen. Die Abgabe von Genuss-Cannabis erfolgt dann kontrolliert durch lizenzierte Fachhändler und soll ausschließlich an Volljährige erfolgen. Langfristiges Ziel ist es, eine Datenbasis für die weitere Evaluierung einer “echten” Legalisierung zu erzeugen. Und da es sich bei der Einrichtung einer Modellregion um eine wissenschaftliche Nutzung handelt, wäre der Import aus anderen Staaten mit günstigeren Anbaukonditionen vermutlich rechtskonform möglich. Der von vielen erhoffte flächendeckende, lizenzierte Verkauf ist damit jedoch vorerst vom Tisch.

Voraussichtlich erlaubte Produktionsmodelle auf einen Blick:

Cannabis (Social) Clubs – gemeinschaftlicher Eigenanbau: 

  • Anbauvereine bis zu 500 (volljährigen) Mitgliedern
  • keine Gewinnorientierung 
  • Vorgaben zu Jugendschutz und Qualität durch die Regierung, Kontrolle durch die Landesbehörden
  • Verkauf an Dritte oder Minderjährige ist strikt untersagt 
  • Pro Monat und Person können maximal 50 Gramm erworben werden, unter 21 Jahren nur 30 Gramm pro Monat; pro Tag und Person jedoch maximal 25 Gramm 
  • Sieben Samen oder fünf Stecklinge können im CSC zum Eigenanbau bezogen werden
  • Die Vereine müssen Beauftragte für Jugendschutz und Suchtprävention ernennen
  • Für Jugendliche unter 21 Jahren wird vermutlich eine Begrenzung des THC-Gehalts festgesetzt
  • Es gibt Berichts- und Dokumentationspflichten zu angebauten und abgegebenen Mengen
  • Es gilt ein Verbot des Im- oder Exports von Genusscannabis
  • Strikte Pflicht zur Alterskontrolle 
  • Werbeverbot

Individueller Eigenanbau:

  • Bis zu drei weibliche, blühende Pflanzen pro volljähriger Person sind erlaubt
  • Es erfolgt keine staatliche Qualitätskontrolle
  • Weitergabe an Minderjährige ist nicht gestattet

Zu welchem Stichtag das Zwei-Säulen-Modell in die praktische Umsetzung gehen soll, steht derzeit noch nicht fest – dies hängt vom parlamentarischen Verfahren zum Gesetzesentwurf ab.


Hinweis: Für medizinisches Cannabis gelten nach wie vor die bisherigen regulatorischen Vorgaben, Qualitätstandards und Produktionsmodelle. Hier wird jedoch der Löwenanteil importiert – Tendenz steigend. 

Fazit:

  • Zur vollständigen Legalisierung von Genuss-Cannabis ist es noch ein langer Weg – doch die Bundesregierung macht mit dem Zwei-Säulen-Modell den Anfang. 
  • Um die Ziele der Legalisierung (Gesundheitsschutz, Jugendschutz, Verdrängung des illegalen Marktes) zu erreichen, ist die Versorgung mit ausreichend qualitativem wie preiswertem Cannabis entscheidend.
  • Die Herausforderung beim Anbau besteht einerseits in verschachtelten EU- und UN-Verträgen, die transnationalen Handel grundsätzlich untersagen – andererseits bedeutet Indoor-Anbau unter Kunstlicht allein in Deutschland einen hohen Stromverbrauch und CO₂-Ausstoß.
  • Das Zwei-Säulen-Modell sieht nun vor allem private und gemeinschaftliche inländische Produktion vor: In Form von Cannabis Social Clubs und privatem Eigenanbau. 
  • Ob in den Modellregionen, in denen die kontrollierte Abgabe im Rahmen einer wissenschaftlichen Versuchsführung erfolgt und Importe zugelassen werden, wird geprüft. 

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Kontakt

Allgemeine Anfragen senden Sie bitte per E-Mail an info@sanitygroup.com. Zu spezifischen Themen erreichen Sie das zuständige Team über die hier angegebenen Seiten. Weitere Informationen zu Anbaukooperationen und Pilotstudien finden Sie außerdem am Ende der Seite.

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