Pressemitteilung

Zwei Jahre legales Cannabis aus dem Fachgeschäft: Schweizer Pilotprojekt zeigt positive Effekte auf Gesundheitsschutz, Konsumkompetenz und Bekämpfung des illegalen Marktes

Grashaus Projects (c) Sanity Group
Seit rund zwei Jahren läuft im Schweizer Kanton Basel-Landschaft der wissenschaftliche Pilotversuch „Grashaus Projects“: Untersucht wird der regulierte, legale Verkauf von Konsumcannabis – an registrierte Studienteilnehmende, über lizenzierte Fachgeschäfte mit klaren rechtlichen Vorgaben, unter persönlicher fachlicher Beratung. Operativ umgesetzt von der Sanity Group unter wissenschaftlicher Leitung des Schweizer Instituts für Sucht- und Gesundheitsforschung (ISGF), liefert das Projekt nun aktuelle belastbare Daten darüber, wie ein kontrollierter Zugang zu Konsumcannabis in der Praxis wirken kann. Die zentralen Erkenntnisse: Legale Fachgeschäfte können dabei helfen, den illegalen Markt zurückzudrängen, Konsumkompetenz zu stärken und schadensminderndes Verhalten zu fördern. Aspekte, die sowohl für das laufende Gesetzgebungsverfahren zur Legalisierung von Konsumcannabis in der Schweiz, aber auch für Deutschland hochrelevant sind.

Eines der schlagkräftigsten Ergebnisse nach zwei Jahren Projektlaufzeit betrifft den Einfluss auf eine potenzielle Verdrängung des illegalen Markts. Der parallele Bezug von Cannabis aus anderen Quellen ist unter den aktuell über 1.600 Studienteilnehmenden signifikant zurückgegangen. Während vor Studienbeginn Cannabis an durchschnittlich rund 20 Tagen pro Monat aus dem illegalen Markt bezogen wurde, hat sich dieser Wert im Verlauf der Teilnahme etwa halbiert. Gleichzeitig greifen viele Teilnehmende heute ausschließlich oder überwiegend auf die legal angebotenen Studienprodukte aus den Fachgeschäften zurück – teils sogar verbunden mit einer längeren Anreise, obwohl andere Quellen für viele einfacher erreichbar wären. „Diese Entwicklung ist aus Sicht des Gesundheits- und Verbraucherschutzes hochrelevant“, so Prof. Dr. Michael Schaub, Scientific Director des ISGF und wissenschaftlicher Leiter der Studie. „Sie legt die Vermutung nahe, dass Konsumierende bereit sind, den illegalen Markt zu verlassen, wenn sie Zugang zu qualitätsgeprüften Produkten aus kontrollierter Herkunft und zu verlässlichen Informationen haben.“Fachliche Beratung als verlässliche Informationsquelle
Auch die professionelle Beratung in den Fachgeschäften spielt für die Teilnehmenden eine zunehmend wichtige Rolle. Das geschulte Verkaufspersonal – sogenannte „Budtender“ – wird von einer Mehrheit der Teilnehmenden als sinnvolle Informationsquelle rund um risikoärmeren Cannabiskonsum wahrgenommen. Viele Proband:innen berichten, ihr Konsumverhalten im Anschluss an Beratungsgespräche angepasst zu haben, etwa im Hinblick auf Dosierung, THC-Gehalt, Produktwahl oder Konsumform. „Wir sehen hier einen klaren Zusammenhang zwischen reguliertem Setting, Beratung und verantwortungsvollem Konsum“, so Schaub. „Dieses zentrale Element fehlt im illegalen Markt natürlich vollständig.“ 

Safer Use: Schadensminderndes Zubehör und risikoärmere Konsumformen
Auch beim Konsumverhalten selbst zeigen sich Veränderungen im Sinne der Schadensminderung. Besonders deutlich ist der Anstieg bei der Nutzung von Aktivkohlefiltern, die gesundheitliche Risiken beim Rauchen stärker reduzieren können als beispielsweise herkömmliche Zigarettenfilter, Papier oder Karton. Die zunehmende Verbreitung solcher sogenannten „Safer Use“-Praktiken deutet darauf hin, dass Konsumierende im legalen Rahmen offener für gesundheitliche Aufklärung und risikoreduzierende Maßnahmen sind. Positive Tendenzen lassen sich ebenfalls mit Blick auf die Konsumformen beobachten: Studienteilnehmende setzen sich im Verlauf offener mit weniger gesundheitsschädlichen Möglichkeiten wie Edibles, Tropfen oder Vaporisatoren auseinander. 

„Deutschland geht den entgegengesetzten Weg“
Für Finn Hänsel, Gründer und Geschäftsführer der Sanity Group, sind die Ergebnisse ein deutlicher Auftrag an die Politik, sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland: „Während wir in der Schweiz mittlerweile schwarz auf weiß sehen, dass regulierte Fachgeschäfte dabei helfen können, den Gesundheitsschutz zu stärken und den illegalen Markt wirksam zurückzudrängen, wurden Pilotprojekte hierzulande in Städten wie Frankfurt am Main, Hannover oder Berlin jüngst abgelehnt. Deutschland geht den entgegengesetzten und damit aus unserer Sicht den falschen Weg. Wer Legalisierungsziele wie flächendeckenden Gesundheitsschutz und nachhaltige Schwarzmarktbekämpfung tatsächlich erreichen will, muss bereit sein, sie wissenschaftlich zu überprüfen; nicht aus ideologischen Gründen auf Erkenntnisgewinn verzichten.“

Die Schweiz hingegen setzt weiter konsequent auf Erkenntnisgewinn: „Die Schweiz versteht, dass sinnvolle Regulierung lernend erfolgen muss“, so Leonhard Friedrich, Geschäftsführer der Sanity Group Switzerland. „Pilotprojekte wie dieses schaffen die Datengrundlage für eine realitätsnahe, verantwortungsvolle Cannabispolitik. Nach zwei Jahren können wir eine durchweg positive Zwischenbilanz ziehen, stehen zudem fortlaufend im engen Austausch mit den Behörden. Es ist erfreulich, dass die Evidenz, die hier geschaffen wird, einen sinnvollen Beitrag zur Gesetzgebung leisten kann.“

In Deutschland sei eine vergleichbare Evidenzbasis weiterhin nicht in Sicht, so Finn Hänsel: „Ohne entsprechende Modellvorhaben werden solche wichtigen Daten und Erkenntnisse auch künftig fehlen.“  

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Quelle Abbildungen (unbearbeitet): Schweizer Institut für Sucht- und Gesundheitsforschung (ISGF)

 

Über die Sanity Group

Die Sanity Group hat sich zum Ziel gesetzt, die Lebensqualität von Menschen durch den sinnvollen Einsatz von Cannabinoiden und die Nutzung des Endocannabinoidsystems zu verbessern. Im Fokus stehen dabei Arzneimittel und Consumer Goods auf Cannabinoidbasis. Um das volle Potenzial von Cannabis nutzbar zu machen, investiert die Sanity Group in die Grundlagenforschung der Cannabispflanze und ihrer Wirkstoffe sowie in spezifische Anwendungsbereiche. Zur Sanity Group, die 2018 in Berlin gegründet wurde, gehören u. a. Vayamedavaay Medical und ZOIKS (Medizinalcannabis), vaay (Lifestyle) und Grashaus Projects (Konsumcannabis-Pilotversuch Baselland, Schweiz). Darüber hinaus ist die Sanity Group auch am Fertigarzneimittelunternehmen Endosane Pharmaceuticals beteiligt. Bei Frankfurt am Main betreibt die Sanity Group zudem einen Logistik- und Verarbeitungsstandort für pharmazeutische Cannabinoiderzeugnisse. Mehr Informationen unter sanitygroup.com/presse.

Pressekontakt

Jennifer Plankenbühler

Pressesprecherin | Lead Medical PR

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