Was haben ein traditionelles chinesisches Zeremonienkostüm, ein Prototyp von Tom Ford und so manch veganer Cappuccino von Tulum bis Tel Aviv gemeinsam? Die entscheidende Zutat: Nutzhanf. Von Nutzhanf spricht man, wenn die Cannabispflanze mit dem Ziel einer nicht-narkotischen Endnutzung gezüchtet wird. Nach der Ernte werden Bestandteile wie Samen, Fasern, Schäben, Blüten und Blätter weiterverarbeitet. Etwa in Textilien, Baustoffen oder Nahrungsmitteln für Mensch und Tier – und das bereits seit langer Zeit.

Wer darf Nutzhanf anbauen?

Für Nutzhanfpflanzen gilt in Deutschland bisher: Die Pflanzen dürfen nicht mehr als 0,2 Prozent THC enthalten, schließlich sollen sie nicht als Rauschmittel zum Einsatz kommen. Von ihren berauschenden Verwandten unterscheiden sie sich darüber hinaus durch einen in der Regel deutlich höheren Faseranteil. EU-weit sind aktuell insgesamt 52 festgelegte, zugelassene Samensorten erlaubt. Doch bei Weitem nicht jede:r darf sie einfach in die Erde legen: Hierzulande ist lediglich Landwirt:innen der Anbau gestattet. Wer als solche:r gilt, ist sehr klar definiert: „Landwirt ist, wer als Unternehmer ein auf Bodenbewirtschaftung beruhendes Unternehmen betreibt.“ Angrenzende Berufsfelder wie Weinbauer:innen, Imker:innen oder Förstereibetriebe sind ausdrücklich von der Möglichkeit einer entsprechenden Lizenz ausgenommen. 

Anwendungsgebiete: Von der Bluse bis zum Automobil

Die Anwendungsgebiete für Nutzhanf sind so vielseitig, dass man aus dem Aufzählen kaum herauskommt, sobald man einmal begonnen hat: Schon die ersten gewebten Menschenkleider waren aus Hanffasern, die Gutenbergbibel wurde auf Hanfpapier gedruckt und Hanf konnte in der Schifffahrt als Abdichtungsmaterial den sieben Weltmeeren trotzen. Heute wird er immer noch gern als Basis für Papier oder Textilien verwendet, gilt außerdem als proteinreiches Superfood, als biologisch abbaubare Alternative zu Plastik und CO2-sparender Beton. Der Autobauer Tom Ford soll gesagt haben: „Warum sollten wir Wälder abholzen, die für ihr Wachstum Jahrhunderte gebraucht haben und Rohstoffminen erschöpfen, die sich in unzähligen Jahren gebildet haben, wenn wir jährlich das Äquivalent von Wald- und Bergwerksprodukten auf einem Hanffeld ernten
können?“

Er selbst hatte 1941 in einem Prototyp des wahlweise als Hemp- oder Soybeancars bezeichneten Autos eine Karosserie aus einer Mischung von Hanffasern und weiteren Materialien gebaut. Sie war um ein Drittel leichter als ein Äquivalent aus Stahl – und zudem deutlich stoßfester. Der Treibstoff für das Fahrzeug basierte auf Hanföl. 

Umwelt-Vorteile von nutzhanfbasierten Alternativen auf einen Blick:

  • Wasserersparnis: Als Textilalternative zu z. B. Baumwolle sind beim Anbau Einsparungen von bis zu 80 Prozent möglich.
  • Pestizidreduktion: Im Hanfanbau sind weniger Pestizide nötig; Böden, Grundwasser und Insekten werden so geschont.
  • CO2-Reduktion: Hanffasern sind reißfest, robust und langlebig – die Produktionszyklen für damit hergestellte Dinge können daher in der Taktung verringert werden, das spart CO2. Außerdem werden aus Hanf viele Alternativen zu grundsätzlich viel CO2-intensiveren Produkten hergestellt, wie etwa Beton. 
  • Biologisch abbaubar: Hanf ist – anders als etwa Rohöl – biologisch abbaubar.

CBD in Nutzhanf

Auch Cannabidiol (CBD) lässt sich aus Nutzhanf gewinnen. CBD ist eines von über 100 in der Hanfpflanze enthaltenen Cannabinoiden und seinerseits ausgesprochen vielseitig: Es gilt als entzündungshemmend, angstlindernd, entkrampfend. Das macht es sowohl medizinisch wertvoll als auch kosmetisch interessant. Sowohl in der Behandlung von Epilepsie als auch in der von sozialen Phobien konnten damit Erfolge erzielt werden. Beliebt ist es auch als Beruhigungstee oder Öl. Seine antioxidativen Eigenschaften haben ihm wiederum einen festen Platz in einem aktuellen Beauty-Hype verschafft: Hier gilt Cannabidiol als Helfer gegen Rosacea, Neurodermitis und Akne – oder einfach als Unterstützung für einen frischen Teint. Der Wirkstoff hat keinerlei berauschende Wirkung. Daher wurde 2020 vom EuGH verfügt, dass natürlich gewonnenes Cannabidiol nicht als Betäubungsmittel eingestuft werden darf.

Ist CBD in Deutschland legal?

Doch wer nun davon ausgeht, dass CBD ergo in allen Darreichungsformen legal sei, freut sich zu früh. Denn während der Erwerb und Besitz von CBD in Kosmetika kein juristisches Problem darstellen, sieht das bei CBD-Blüten schon ganz anders aus. In Deutschland werden „Pflanzen und Pflanzenteile der zu Gattung Cannabis gehörenden Pflanzen“ rechtlich als nicht verkehrsfähige Betäubungsmittel eingestuft. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass zwar extrahiertes CBD – wie es z. B. in Ölen verwendet wird – erlaubt ist. Doch Pflanzenteile wie Blüten sind auch beim Nutzhanf noch Teile der zitierten „Gattung Cannabis“ – und fallen damit unter das Betäubungsmittelgesetz. Der Gesetzgeber argumentiert hier folgendermaßen: Auch bei sehr niedrigem THC-Gehalt besteht eine theoretische Möglichkeit, den psychotropen Wirkstoff zu extrahieren und in ausreichender Menge dann konzentriert zu Rauschzwecken zu missbrauchen.

Fazit:

  • Nutzhanf ist vielseitig einsetzbar: Nahezu alle Teile der Pflanze können verwertet werden
  • Nutzhanf ist als Basis für Textil, Papier oder Plastik sehr robust, in Kosmetik beliebt und als Nahrungsmittel kerngesund
  • Nutzhanf gilt als ökologisch hochverträglicher Rohstoff
  • Aus Nutzhanf gewonnenes CBD ist nur in Teilen legal – Blüten fallen immer noch unter das Betäubungsmittelgesetz

FAQ

  • Wo kann Nutzhanf überall verwendet werden? Nutzhanf hat unzählige Verwendungsmöglichkeiten: In Textilien, Papier oder Baumaterialien wie Steinen, Beton oder Dämmungen. Aber auch als Wirkstoff in Kosmetikprodukten wie Hautcremes oder Shampoos sowie Nahrungsmitteln, wie z. B. Hanfsamen oder Hanfmilch. 
  • Was sind Cannabinoide Cannabinoide sind chemische Verbindungen, die in der Cannabispflanze, aber auch im menschlichen Körper vorkommen. 

Multitalent Gwyneth Paltrow ist ein Fan, Ex-Supermodel Kate Moss und Schauspielerin Kristen Bell haben sogar jeweils eigene Pflegeserien damit auf den Markt gebracht: CBD ist die Abkürzung für Cannabidiol – und derzeit der Star der Stars, wenn es um Haut- und Körperpflege geht. Ganz nüchtern betrachtet ist es eines von über 100 Cannabinoiden, die in der Hanfpflanze enthalten sind. Anders als das bekannteste Cannabinoid THC wirkt CBD allerdings nicht berauschend und gilt deshalb auch nicht als Betäubungsmittel. Dafür wird dem Wirkstoff nachgesagt, u. a. entzündungshemmende, antioxidative und beruhigende Eigenschaften zu besitzen. Diesen hat er auch seine vielseitige Verwendung in Kosmetika zu verdanken: CBD kommt heute in Hautcremes, Shampoos und Badezusätzen vor.

Welche Bestandteile von Hanf sind in Kosmetika überhaupt erlaubt?

CBD wird aus weiblichen Nutzhanfpflanzen gewonnen, deren THC-Gehalt grundsätzlich unter 0,2 Prozent liegen muss. Man kann es aber auch synthetisch herstellen.

Erlaubt
  • Bestandteile von Samen und Wurzeln der Pflanze
  • Cannabisöl
  • Extrakte aus Blütenblättern
  • Extrakte der Blüten und Fruchtstände, wenn ihnen vormals das Harz entzogen wurde
Nicht erlaubt
  • Bestandteile von Samen und Wurzeln der Pflanze
  • Cannabisöl
  • Extrakte aus Blütenblättern
  • Extrakte der Blüten und Fruchtstände, wenn ihnen vormals das Harz entzogen wurde

Wie funktioniert CBD in Kosmetika?

In vielen Fällen ist CBD nicht der einzige Wirkstoff in kosmetischen Produkten. Häufig wird es z. B. mit Hanföl vermischt – dieses verfügt über feuchtigkeitsspendende Eigenschaften und soll in Kombination mit CBD dann die Zellerneuerung ankurbeln. Aufgenommen wird das Cannabidiol direkt über die Haut. Von dort gelangt es in das körpereigene Endocannabinoidsystem und kann so seine Wirkung rasch entfalten. 

Grundsätzlich lässt sich festhalten: Je höher der CBD-Anteil, desto potenter das Produkt. Relevant kann das gerade für Anwender:innen mit Problemhaut sein – diese sollten allerdings grundsätzlich mit ihrer behandelnden Ärztin oder ihrem behandelnden Arzt absprechen, ob und in welcher Form cannabidiolbasierte Kosmetik sich für sie eignet.
Denn auch wenn extern zugeführte Produkte wie Hautcremes oder Badebomben als unbedenklich gelten, kann die Einnahme von Ölen oder Tropfen Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln haben – behandelnde Mediziner:innen sollte man also auf jeden Fall vorab konsultieren.

Fazit

CBD-basierte Haut- und Körperpflege ist beliebt – nicht nur in Hollywood. Ob als Massageöl, Hautcreme oder Lippenbalsam: Der Anteil der Menschen, die sich CBD-Produkte im Badezimmerschrank wünschen, wächst auch in Deutschland konstant. 

So konnten sich in einer VAAY-Umfrage 43,7% der Befragten vorstellen, Cannabidiol in Form von Salben aufzutragen. Mehr als ein Viertel war offen für ein CBD-Massageöl – und jede:r sechste Befragte interessiert sich für Produkte, die eine rein kosmetische Funktion haben, wie z. B. Feuchtigkeitslotionen. CBD als Inhaltsstoff in Kosmetikprodukten ist zudem absolut legal.

Die Hanfpflanze gilt mit ihren vielfältigen Eigenschaften als pharmakologisches Kraftwerk. Einer ihrer Wirkstoffe ist Cannabidiol – oft abgekürzt als CBD. Es steht unter anderem im Ruf, Krämpfe zu lösen, das Gemüt zu beruhigen oder den Schlaf zu fördern. Verarbeitet wird es bisher vor allem in Nahrungsergänzungsmitteln aller Art oder Kosmetika wie Shampoo und Hautcremes. Anders als THC hat es jedoch keinerlei berauschenden Effekt. Doch was wissen die Menschen über das Cannabinoid? Wer konsumiert es bereits? Und wer interessiert sich potentiell dafür?

Eine repräsentative Umfrage im Auftrag der Sanity Group gibt hier Aufschluss. Befragt wurden 1004 Personen aller Geschlechter im Zeitraum vom 24.November bis zum 1. Dezember 2021.

Was ist CBD: Wenig Wissen, viel Neugier

Zuvorderst: Tatsächlich hielten mit 45 Prozent fast die Hälfte der Befragten CBD für eine berauschende Substanz. Lediglich 33 Prozent wussten, dass der Wirkstoff keine psychodelischen Erlebnisse herbeiführen kann. 

Eine relative Minderheit hatte bereits eigene Erfahrung mit CBD-Produkten. Das beliebteste war hierbei Öl, bzw. Kapseln: 14 Prozent der Befragten hatten sie schon einmal eingenommen. Mit 27 Prozent konnten sich aber mehr als ein Viertel vorstellen, in Zukunft auf solche Produkte zurückzugreifen. Kosmetik- und Pflegeartikel mit CBD-Anteil hatten mit zwölf Prozent bereits mehr als jeder Zehnte vorher ausprobiert. Die Darreichungsform, die sich für „Unerfahrene“ am interessantesten anhört scheint aber Tee: Ganze 28 Prozent wären in dieser Gruppe offen dafür, ein Tässchen davon zu kosten. Lediglich zwölf Prozent hatten dies jedoch bereits getan. Im Kosmetikschrank hätten es immerhin gerne 23 Prozent. Blüten würden 15 Prozent testen – aber erst neun Prozent hatten sie schon ausprobiert. E-Zigaretten mit dem Wirkstoff hatten bereits acht Prozent konsumiert – und zehn Prozent interessierten sich grundsätzlich dafür. Nahrungsergänzungsmittel mit CBD klingen wiederum für 18 Prozent spannend – schon mal im Regal hatten sie aber erst sieben Prozent. Das Schlusslicht bilden Tierprodukte, wie z. B. Hunde-Entspannungs-Snacks. Insgesamt lässt sich festhalten: Das Interesse an CBD-Produkten scheint grundsätzlich deutlich höher als der bisherige Konsum.

Wirkspektrum von Cannabidiol: Was ist bekannt?

Am bekanntesten war die mögliche schmerzlindernde Wirkung von CBD – bei 36 Prozent der Befragten. 49 Prozent hielten eine solche aber für möglich. 32 Prozent wussten, dass CBD entspannend sein kann, und 27 Prozent stuften es als beruhigende Substanz ein. Der entkrampfende Effekt, den Cannabidiol haben kann, war lediglich 23 Prozent der Umfrageteilnehmer:innen bekannt, aber ganze 56 Prozent konnten ihn sich sehr gut vorstellen. Dass das Phyto-Cannabinoid sich positiv auf einen guten Schlaf auswirken könnte, hielten 48 Prozent für eine Option – nur 22 Prozent wussten dass es zu diesem Zweck auch im Einsatz ist. Für mehr als die Hälfte der Befragten wäre es naheliegend, dass sich CBD als angstlösend erweisen könnte. 21 Prozent war es als Wirkstoff für derlei Indikationen schon geläufig. Als Entzündungshemmer kannten immerhin noch 16 Prozent der Befragten den Wirkstoff. Das Schlusslicht bildet die Hanf-Essenz als Diät-Produkt: Acht Prozent wussten, dass es als Appetitzügler verwendet werden kann.

Mehr als ein Drittel würden Beschwerden mit CBD behandeln

Gänzlich ablehnend standen CBD nur neun Prozent der Befragten gegenüber: Obwohl sie an Beschwerden leiden, die der Wirkstoff lindern könnte, würden sie darauf nicht zurückgreifen. Ein knappes Viertel könnte sich in einem solchen Fall aber vorstellen, Cannabidiol eine Chance zu geben. Bewusst und aktiv nutzten bisher lediglich sechs Prozent der 1 004 Befragten den Wirkstoff gegen ihre Beschwerden. 13 Prozent gaben an, dass sie es aber nutzen würden wenn solch ein Fall einträte. 24 Prozent leiden aktuell an Beschwerden, die der Wirkstoff lindern könnte und können sich die Nutzung in Zukunft auch gut vorstellen. Mit zusammen genommen 37 Prozent würden also mehr als ein Drittel der Befragten CBD testen, wenn entsprechende Unpässlichkeiten aufträten. Insgesamt lässt sich sagen, dass Menschen, die bereits gesundheitsbedingt Cannabis konsumiert hatten, schon vorher deutlich häufiger Kontakt zu dem Wirkstoff hatten: 38 Prozent dieser Gruppe hatten schon einmal Öl oder Kapseln ausprobiert, 32 Prozent Tees und 30 Prozent andere Nahrungsergänzungsmittel. 20 Prozent hatten vor der Umfrage CBD-E-Zigaretten genossen.

Fazit:

  • Das Interesse an Cannabidiol übertrifft den aktuellen Konsum – doch es gibt noch viel Aufklärungsarbeit und wissenschaftliche Studien zur Wirksamkeit zu leisten, damit Menschen den Wirkstoff und seine Potenziale korrekt einordnen können.
  • Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen auf Cannabis zurückgreifen mussten, haben mehr Erfahrung mit CBD.
  • 37 Prozent der Befragten wären offen für CBD-Produkte, wenn sie entsprechende Beschwerden hätten.

Hier mehr über die Geschichte und den Einsatz von CBD erfahren.

FAQ

Welche Formen von CBD gibt es?

CBD wird sowohl organisch als auch synthetisch hergestellt. Es wird als Vollspektrum- und Breitspektrum-Öl oder als Isolat angeboten und ist in verschiedensten Produkten enthalten: von kosmetischen Artikeln bis hin zu Arzneimitteln. 

Wie wirkt CBD?

CBD wird nachgesagt, dass es u. a. schmerzlindernde, entzündungshemmende oder entkrampfende Effekte haben kann. Es wirkt grundsätzlich über die körpereigenen Endocannabinoid-Rezeptoren, die überall im Körper sitzen.

Cannabidiol (CBD) ist eines von 113 bis heute isolierten Cannabinoiden der weiblichen Hanfpflanze – und frei von jeder berauschenden Wirkung. Das macht es zu einem medizinisch sehr wertvollen Teil der Cannabis-Pflanze. Juristisch kann es als neuartiges Lebensmittel eingestuft werden und unproblematisch in Kosmetik zum Einsatz kommen. Dem Phyto-Cannabinoid werden zahlreiche gesundheitsfördernde Wirkungen nachgesagt: von Schmerzlinderung über Entzündungshemmung bis hin zur Krebsprävention – am  wissenschaftlichen Corpus zu besagten Indikationen wird jedoch noch gearbeitet.

In Zusatztherapien zu Epilepsie oder Multipler Sklerose  kommt Cannabidiol aufgrund seiner möglichen krampflösenden Wirkung hingegen bereits zum Einsatz. Ansonsten sind CDB-Produkte eher im Lifestyle-Bereich angesiedelt: als Beruhigungstee, Haarshampoo oder Öl.

Raphael Mechoulam: Pionier der ersten Stunde

Entdeckt wird Cannabidiol zu Beginn der 1940er Jahre: Der Zeitpunkt fällt mitten in die Ära eines politisch motivierten Feldzugs gegen den Hanfkonsum. Das Interesse an intensiverer Forschung bleibt daher überschaubar – vorerst. 

1963 isoliert Raphael Mechoulam das Phyto-Cannabinoid zum ersten Mal. Ende der 70er Jahre leitet er eine Studie, bei der er CBD einen krampflösenden Effekt nachweisen kann. Doch die Teilnehmerzahl von acht Probanden ist weit entfernt davon, als repräsentativ zu gelten. Und obwohl vieles darauf hindeutet, dass Cannabidiol einige gesundheitsfördernde Eigenschaften besitzt, gilt Cannabis insgesamt nach wie vor als anrüchig.

Die neue Sorte: Ein Engel für Charlie

Ab den 1990er Jahren wendet sich das Blatt: Das Endocannabinoid-System wird entdeckt – wieder von Mechoulam. Die Tatsache dass Mensch und Tier körpereigene Rezeptoren extra für die Interaktion mit Cannabinoiden besitzen, revolutioniert den wissenschaftlichen Blick auf’s Thema. 

Den Durchbruch in der öffentlichen Wahrnehmung feiert Cannabidiol jedoch erst knapp zwei Jahrzehnte später. 2011 züchten ein paar Brüder in Colorado eine Nutzhanfsorte mit einem hohen CBD-Anteil. Aufgrund des niedrigen THC-Gehalts taufen sie ihre Schöpfung „Hippi’s Dissappointment“. Denn: Berauschen kann sich damit keiner. Aber es hilft der kleinen Epilepsie-Patientin Charlotte „Charlie“ Figi, ihre vormals etwa 50 Anfälle pro Tag auf drei im Monat zu reduzieren – und das nach zahllosen gescheiterten Therapien mit anderen Medikamenten.

Erfolgsgeschichten zwischen Erfahrungsbericht und Heilmittelwerbegesetz

Diesmal geht die Geschichte als TV-Dokumentation um die Welt, stößt auf gewaltiges Interesse sowie zahlreiche Nachahmer:innen. Die Hanfsorte wird umgetauft in „Charlotte’s Web“. Tatsächlich besteht in Bezug auf die Heilwirkung von CBD eine Kluft zwischen euphorischen Erfahrungsberichten Betroffener und den deutlich zurückhaltenderen Aussagen von Hersteller:innen. Einer der Gründe hierfür ist auch juristischer Natur: Während es einer CNN-Reihe ohne Weiteres erlaubt ist, außergewöhnliche Erfolge wie den der Charlotte Figi zu erzählen, gelten für Produzent:innen von Arznei- oder Lebensmitteln hierzulande die Regeln des Heilmittelwerbegesetzes. 

Es bildet den rechtlichen Rahmen für Werbung im deutschen Gesundheitswesen. Nach dem Gesetz gilt es auch als irreführend, solche Fälle wie den der Charlotte Figi allzu prominent auszustellen und für sich zu nutzen. Erlaubt ist die Bezugnahme auf ein Corpus wissenschaftlicher Studien mit ausreichend statistischer Signifikanz – doch das muss für CBD in vielen Fällen erst noch erhoben werden. So wird auch sichergestellt, dass Kund:innen über mögliche Risiken und Nebenwirkungen aufgeklärt werden.

Das Endocannabinoidsystem: Was bekannt ist und was nicht

Während die wissenschaftliche Evidenz CBD mittlerweile einen Platz in Zusatztherapien für Epilepsie sichern konnte, fehlen zu vielen anderen Effekten noch ausreichende Studien. Dass Cannabidiol prinzipiell sehr vielfältig auf die menschliche Gesundheit einwirken kann, scheint indes plausibel.

Denn Endocannabinoid-Rezeptoren befinden sich überall im Körper: Vom Gehirn über verschiedene Organe bis hin zu Nerven-und Immunzellen. Während CB1-Rezeptoren u.a. an Erinnerung, Entscheidungsprozessen und emotionalen Reaktionen beteiligt sind, spielen CB2-Rezeptoren vor allem für’s Immunsystem eine tragende Rolle. Doch die insgesamt komplexe Wirkweise des Endocannabinoidsystems ist noch nicht umfassend erforscht – und die pleiotropen Eigenschaften des Cannabidiols selbst tun ihr Übriges. 

Bei Lifestyle-Produkten gilt: CBD kann helfen – muss aber nicht

Erfolgt eine juristische Einstufung jenseits medizinischen Mehrwerts ist der Nachweis von systematisch reproduzierbaren Heileffekten nicht relevant.  Das heißt, die verschiedenen CBD-Produkte können durchaus verschiedene Beschwerden lindern – sie müssen es aber nicht. Solange der aktuellen Studienlage Rechnung getragen wird und Hersteller nicht explizit mit medizinischen Versprechen werben, entstehen ihnen keine Verpflichtungen: 

Verbraucher:innen können dann selbst testen ob der Wirkstoff sich bei ihnen anti-entzündlich, beruhigend oder appetitfördernd auswirkt – oder ihnen einfach nur Glanz in die Haare zaubert. Hierbei gilt: Der THC-Gehalt eines legalen CBD-Produkts darf in Deutschland grundsätzlich nicht über 0.2% liegen.

Die Darreichungsformen: Vollspektrum, Breitspektrum und Isolat

Organisches CBD wird in Deutschland aus Nutzhanf gewonnen. Wird es als Vollspektrum-Öl angeboten, sind Terpene und Flavonoide noch enthalten: Beiden Inhaltsstoffen werden gesundheitsfördernde Wirkungen zugesprochen. Sie befinden sich auch im Breitspektrum-Öl. Diesem allerdings wird auch der letzte Rest THC komplett entzogen. Von Isolat hingegen spricht man beim puren und reinen CBD-Molekül – also der Variante, die von sämtlichen anderen Stoffen bereinigt ist. Es kann sowohl organisch als auch synthetisch hergestellt werden. Bei der Weiterverarbeitung ist es aufgrund der genauen Messbarkeit seines CBD-Gehalts beliebt. Der Vorteil von Vollspektrum-Ölen wird hingegen in seinem Entourage-Effekt gesehen: Also einer stärkeren Wirkung der einzelnen Wirkstoffe durch das Zusammenspiel der verschiedenen Komponenten.

Der Weg zu mehr Wissen: Mehr Forschung

Eine große Diskrepanz sieht Sanity Group-CEO Finn Hänsel zwischen der enormen Beliebtheit und dem Wissen darüber, was CBD eigentlich ist – und wie es wirkt:

„Wir erleben bei den Kund:innen unserer Subbrands wie zum Beispiel Vaay regelmäßig, dass Menschen CBD immer noch für ein Rauschmittel halten.“

Am bekanntesten scheine der Einsatz in der Schmerzlinderung.

„Grundsätzlich ist es so, dass Menschen, die selbst schon mal medizinisches Cannabis konsumiert haben, aufgeschlossener für CBD-Produkte sind. Das ist nur logisch. Denn wer eine Wirkung am eigenen Leib erlebt hat, braucht im Prinzip keinen Experten, der ihm das offiziell bestätigt. Wir als wissenschaftlich orientiertes Unternehmen würden es allerdings stark begrüßen, wenn der Forschungsstand zum Thema deutlich ausgeweitet würde.  Zum Einen um Mythen vorzubeugen, vor allem aber auch um Menschen zu helfen.“

Kontakt

Allgemeine Anfragen senden Sie bitte per E-Mail an info@sanitygroup.com. Zu spezifischen Themen erreichen Sie das zuständige Team über die hier angegebenen Seiten. Weitere Informationen zu Anbaukooperationen und Pilotstudien finden Sie außerdem am Ende der Seite.

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